Mit der Fertigstellung der Festetage ist bei der Rekonstruktion des Dresdner Residenzschlosses ein Meilenstein erreicht. Ab Mittwoch öffnen der Propositionssaal und der Große Ballsaal für Besucher. Damit können Museumsgäste erstmals wieder alle Repräsentationsräume bei einem Rundgang besichtigen, statt beim Flanieren in Sackgassen zu enden, wie Bernd Ebert, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sagte.
Neue Dauerausstellung zeigt höfisches Leben
Die neue Dauerausstellung «Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof» macht in den nun fertiggestellten Sälen das höfische Leben anhand von über 450 Objekten erlebbar. «Ein großer Teil der Dinge, die wir jetzt in diesen beiden Räumen zeigen, sind erstmalig seit dem Zweiten Weltkrieg überhaupt wieder ausgestellt», sagte Holger Schuckelt, Oberkonservator der Rüstkammer und Kurator der Ausstellung.
Im Großen Ballsaal erwarten die Besucher höfische Festrequisiten des 16. bis 18. Jahrhunderts: Vergoldete Helme, Silberharnische, Prunkwaffen und außergewöhnlich geschmückte Pferde. Zu den Exponaten zählt ein Schlittenzeug mit über 500 Glöckchen, das der Sohn Augusts des Starken, Friedrich August II. nutzte, um in Wien um die Hand der Kaisertochter Maria Josepha anzuhalten.
Der Propositionssaal diente auch Bällen und höfischen Festivitäten, aber vor allem der staatlichen Repräsentation. 1831 fand dort die Proklamation der ersten sächsischen Verfassung statt, mit der das Königreich zur konstitutionellen Monarchie wurde. Als Thronsaal und Versammlungsort war der Saal ein Vorläufer des heutigen Landtages.
Teil der neuen Dauerausstellung ist auch das bereits 2019 wiedereröffnete Turmzimmer. Über 200 Jahre diente es als Schauraum für Meissener Porzellan sowie Vasen aus China und Japan. Viele wertvolle Stücke gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. Leere Wandkonsolen sollen an diese großen Verluste erinnern. Einen Eindruck des Prunks vermittelt aber ein Ensemble von Elementvasen, die 1741 als Geschenk für den französischen König Ludwig XV. gefertigt, aber nie überreicht wurden.
Rundgang durch die Festetage vollendet
Die Dauerausstellung ist Teil des nun vollendeten Rundgangs durch die Festetage. Er führt die Besucher von der Englischen Treppe in eine Reihe prächtiger Festsäle. Den Anfang macht der Riesensaal mit Turnierszenen. Danach geht es weiter ins Audienzzimmer der Königin, den Kleinen und Großen Ballsaal mit Resten der originalen Dekoration, das Porzellankabinett und den Propositionssaal, der in die barocken Paraderäume Augusts des Starken überleitet. Abgeschlossen wird der Rundgang durch die Türckische Cammer mit osmanischer Kunst.
«Das ist ein Ort, der wohl weltweit einzigartig ist», sagte Ebert. «Wir zeigen Objekte der Festkultur, des höfischen Lebens, die Requisiten von Turnierkämpfen, Maskeraden und Aufzügen in einer historisch rekonstruierten Umgebung.» Es handle sich um eine Collage verschiedener Baustile und Nutzungen vom Mittelalter, über die Renaissance, den Barock, das 19. Jahrhundert bis hin zum 21. Jahrhundert.
Rekonstruktion begann 1985
Die Rekonstruktionsarbeiten in der 1945 zerstörten Residenz sächsischer Kurfürsten und Könige aus dem 16. Jahrhundert sollen demnach 2028 komplett vollendet werden. Es fehle noch die Fertigstellung des großen Schlosshofs, von dem etwa ein Viertel bereits gepflastert sei, und die Ausgestaltung der Gotischen Halle, sagte Ebert. Die feierliche Eröffnung ist demnach für das Frühjahr 2029 geplant. Die Rekonstruktion begann bereits 1985. Sie soll jüngsten Angaben zufolge rund 407 Millionen Euro kosten. Die Kosten tragen der Freistaat und der Bund.
© dpa-infocom, dpa:260420-930-969168/3
