
Die Polizei hat rund um das Hanauer Unternehmen 3W verschärfte Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das geht aus einer Mitteilung des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) hervor, die am Wochenende verbreitet worden ist. Zuvor war der Familienbetrieb, der Motoren zum Beispiel für Flugzeugmodelle herstellt, auf einer russischen Liste als mögliches Angriffsziel genannt worden – denn die Motoren des hessischen Unternehmens können auch militärisch genutzte Drohnen antreiben.
Die hessischen Sicherheitsbehörden würden das Unternehmen bestmöglich unterstützen, man stehe im Austausch mit den Bundesbehörden. Deren Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) hatte zuvor mitgeteilt, wegen der Nennung auf der Liste habe die Stadt sich mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz, dem Staatsschutz und dem Regierungspräsidium Darmstadt in Verbindung gesetzt. Mittlerweile sei ein Treffen mit Poseck vereinbart, auch mit dem Unternehmen und dem Verfassungsschutz gebe es Gespräche. Man dürfe sich von den Drohungen aus Moskau nicht einschüchtern lassen, hieß es in den Mitteilungen von Poseck und Kaminsky.
Schon früher Motoren aus Hanau in Drohnen gefunden
Das Familienunternehmen 3W mit Sitz in einem Gewerbegebiet im Hanauer Stadtteil Großauheim entwickelt und baut Zweitaktmotoren für den Modellbauch. Der Betrieb mit einem knappen Dutzend Mitarbeitern brachte 1985 seinen ersten Motor auf den Markt, nach Angaben des Unternehmens zählen heute Aggregate mit bis zu sechs Zylindern „für den ambitionierten Wettkampf- und Hobbypiloten“ zum Angebot. Folgt man den Kommentaren in den Foren von Modellbauern, genießen das Unternehmen und seine Produkte in ihrer Szene einen guten Ruf. Für Unruhe hatte dort ein Streit vor einigen Jahren unter den Gesellschaftern des Familienbetriebs gesorgt.
Schon 2021 war 3W zum Thema von Presseberichten geworden, weil Motoren aus Hanau auch in russischen Drohnen und von jemenitischen Huthi-Rebellen eingesetzten Systemen gefunden worden waren. Offenbar waren die Aggregate über Zwischenhändler unter anderem in Tschechien und Griechenland geliefert worden, berichtete seinerzeit unter anderem die „Tagesschau“. 2024 meldete die „Jüdische Allgemeine Zeitung“, ein Motor aus Hanau sei auch in einer Drohne der libanesischen Hizbullah-Miliz entdeckt worden.
Dass der Blick russischer Militärs auf Hanau fällt, ist Teil der regionalen Geschichte: In der Stadt und an weiteren Standorten zum Beispiel in Gelnhausen, Büdingen und Langendiebach unterhielt die US-Armee während des Kalten Krieges einen mit mehr als 30.000 Soldaten und ihren Angehörigen ihrer weltweit größten Stützpunkte außerhalb der Vereinigten Staaten. Die Truppen sollten ein Vordringen der Armeen des Warschauer Pakts durch den sogenannten Fulda-Gap und das Kinzigtal in das Rhein-Main-Gebiet verhindern. Die Militärplaner der NATO gingen damals davon aus, dass die Region Schauplatz großer Panzerschlachten werden könnte. Auch der Einsatz nuklearer Gefechtsfeldwaffen galt als eine Option. Mit dem Zerfall des Ostblocks und dem Beitritt Polens zum Nordatlantikpakt verlor der Standort seine strategische Bedeutung, 2008 löste die US-Armee ihre Einrichtungen in Hanau und Umgebung auf.
