
„Alles ist politisch“, sagte Rama Duwaji kürzlich dem Kunstmagazin „Hyperallergic“, „was wir zeigen, was wir auslassen, die Geschichten, die wir hervorheben, und die, die wir im Schatten lassen.“ Duwaji ist Künstlerin und Illustratorin, ihr Ehemann ist der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani. Das Gespräch mit „Hyperallergic“ machte Schlagzeilen, weil sich die 28 Jahre alte Duwaji darin für Social-Media-Posts aus der Vergangenheit entschuldigte, die einen Skandal entfacht haben.
Der „Washington Free Beacon“ hatte die Einlassungen ausgegraben – darunter eine mit den Worten „Helllll yeah, nigga“, den sie 2015 einer Freundin geschickt hatte, sowie einen Like für einen Post mit den Worten, „Tel Aviv sollte eigentlich gar nicht existieren“. In einem anderen Beitrag nutzte sie homophoben Slang wie „faggot“ und „gay-ass“. Gegenüber „Hyperallergic“ sagte Duwaji jetzt, die Posts, „die ich als Teenagerin geschrieben habe“, hätten bei ihr „ein großes Schamgefühl“ ausgelöst. „Ich verstehe, dass ich Leute damit verletzt habe, und es tut mir ehrlich leid.“
Nicht angesprochen hat sie indes weitere Social-Media-Bekundungen, die sie als Erwachsene zum 7. Oktober 2023 abgegeben hatte und die ebenfalls Teil der Geschichte im „Beacon“ waren – darunter Likes und Reposts von Botschaften, die das Massaker der Hamas an Israelis feierten. Die Terroristen der Hamas vergewaltigten und ermordeten mehr als 1200 Menschen, 240 Israelis wurden entführt. Unter anderem likte Duwaji ein am 7. Oktober gepostetes Bild eines Bulldozers, der die Grenze zwischen Gaza und Israel durchbricht, mit der Unterschrift: „Kollektive Befreiung/Widerstand“. Im Februar 2024 likte sie einen Post, der Berichte über Vergewaltigungen bei dem Massaker am 7. Oktober als „mass rape hoax“, als „Massenvergewaltigungs-Schwindel“ bezeichnete.
Schuldet Mamdani New York eine Erklärung für die Worte seiner Frau?
Zwei Monate zuvor hatte die „New York Times“ eine umfangreiche Recherche über die systematisch ausgeübte sexuelle Gewalt der Hamas-Angreifer veröffentlicht. Kritisiert wird Duwaji zudem für ihre Zusammenarbeit mit der Autorin und Aktivistin Susan Abulhawa, deren Geschichtensammlung sie illustrierte. Abulhawa tat sich zuletzt mit der Äußerung hervor, „Israelis und alle Zionisten sind parasitärer Dreck“. Zohran Mamdani sagte dazu, Abulhawas Worte seien „offensichtlich inakzeptabel“. Seine Frau sei beauftragt worden, einen Buchauszug zu illustrieren, sie habe zu der Autorin nie Kontakt gehabt und auch nicht deren Posts gesehen. Abgesehen davon habe seine Frau keine Rolle in seiner Regierung.
Von vielen wird Duwaji nun mit Judenfeindlichkeit in Verbindung gebracht – zumal sie Nachfragen, für welche Posts genau sie sich entschuldige, nicht beantwortete. Mamdani wich mit der Bemerkung aus, seine Frau habe „einige ihrer Ansichten in dem Interview klargemacht, und ich werde dem nicht viel hinzufügen“. Die Journalistin Olivia Reingold von „Free Press“ stellt fest, dass „Duwaji die Gelegenheit verstreichen ließ, die erheblichen Sorgen jüdischer New Yorker über ihr Onlinebenehmen anzusprechen.“ Auf der Plattform X halten Nutzer fest, dass Mamdani, der für sich in Anspruch nimmt, allen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, seinen Wählern eine Erklärung für die Äußerungen seiner Frau schulde.
Rama Duwaji wurde 1997 als Tochter syrischer Eltern in Texas geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit in New York und New Jersey. Nach den Terrorattacken vom 11. September 2001 sah sich Duwajis Vater angesichts aufbrandender Islamophobie veranlasst, seinen Bart zu rasieren; ihre Mutter, eine Kinderärztin und Hijab-Trägerin, nahm 2006 einen Job in einem US-Krankenhaus in Dubai an. Rama Duwaji verbrachte ihre Jugend dort, bevor sie 2021 nach New York zurückkehrte. Sie macht kein Geheimnis aus ihrer propalästinensischen Haltung; ihre Kunst dreht sich um arabische Frauen, um das Leid der Menschen in Gaza, um Syrien, Libanon und Sudan. Zur Wahlsiegparty ihres Mannes im vergangenen November trug sie ein Top des palästinensischen Designers Zeid Hijazi. „Ich fand es schön, eine Botschaft über Palästinenser abzusetzen“, sagte sie dem „NY Mag“.
Der Linken erscheint sie als „Stilikone und Gen-Z-Heldin“
Duwaji und Mamdani lernten sich 2021 über eine Dating-App kennen; sie heirateten im Februar 2025, als Mamdanis Aussichten auf einen Wahlsieg bei einem Prozent standen – bevor eine virale Videokampagne ihn überraschend ins Amt katapultierte und auch Duwaji zu einer öffentlichen Person machte. Sie erscheine der Linken als „Stilikone und Gen-Z-Heldin“ und den Konservativen als „muslimisches Schreckgespenst“, meinte das „NY Mag“. Mit der demonstrativen Hinwendung zu ihrer Kunst, anstatt an Mamdanis Wahl- und Spendenveranstaltungen teilzunehmen, habe sie zahlreiche New Yorkerinnen beeindruckt.
Für die „New York Post“ sieht das anders aus. „Mamdanis Ehefrau nutzt ihre Kunst um gegen amerikanischen ,Imperialismus‘ und ,israelische Kriegsverbrechen‘ zu wüten“, titelte das Blatt. Konservative Kommentatoren bezeichnen Duwaji als „Extremistin“. Wie andere ihre Arbeit interpretierten, könne sie nicht kontrollieren, sagte sie. „Meine Meinung über Palästina, Syrien, Sudan zu sagen, ist mir sehr wichtig.“ Ihre Kunst werde weiter für sich sprechen, sie konzentriere sich nicht auf ihre Rolle als öffentliche Person.
Zohran Mamdani, der als demokratischer Sozialist antrat, gilt mit Wahlversprechen wie Gratisbussen, einem Mietendeckel und städtischen günstigen Supermärkten Konservativen als „Radikaler“. Nun steht er unter Druck. Dem „Jewish Insider“ sagte er, er habe stets klar und konsequent gesagt: Hamas ist eine Terrororganisation, und der 7. Oktober war ein entsetzliches Kriegsverbrechen, und er verurteile diese Gewalt ohne Einschränkung.
Seine Frau sei eine Privatperson, sie habe keine Rolle im Bürgermeisteramt von New York. Mit dieser Trennlinie redet sich Mamdani freilich heraus. Rama Duwaji mag sich nicht in erster Linie als Bürgermeistergattin wahrnehmen. Dass ihre öffentlichen Äußerungen und ihre Nichtdistanzierung von antisemitischem Terror von politischer Bedeutung sind und eine Wirkung entfalten, die auf ihren Mann ausstrahlt, kann weder sie noch Zohran Mamdani von sich weisen.
