
Wenn in Libanon die Waffen schweigen, dann bedeutet das zunächst einmal eine große Erleichterung: für die Libanesen, die in Scharen aus den Kampfzonen im Süden des Landes fliehen mussten und von denen sich prompt eine große Zahl nur auf die Ankündigung einer Waffenruhe hin auf den Rückweg gemacht hat. Und auch für die Menschen im Norden Israels, die seit Wochen unter dem Beschuss durch die Hizbullah leiden.
Wenn es dann gelingen sollte, den israelischen Regierungschef Netanjahu und den libanesischen Präsidenten Aoun zusammenzubringen, wäre das ein weiterer Lichtblick in der Region. US-Präsident Trump hat angekündigt, beide bald ins Weiße Haus einzuladen. Man muss es klar sagen: Ein Handshake der beiden Repräsentanten der seit Jahrzehnten im Kriegszustand befindlichen Nationen wäre ein Erfolg, Trumps Erfolg.
Aussichten mit Vorbehalt
Doch so sehr man sich nach guten Nachrichten aus Nahost sehnt, müssen die Aussichten mit großem Vorbehalt versehen werden. Vor allem ist der eigentliche Feind Israels nicht direkt beteiligt: die von Iran gelenkte Schiitenmiliz Hizbullah. Ohne sie ist jede Rechnung ohne den Wirt aufgestellt. Die Hizbullah hat zwar angekündigt, dass sie die Waffenruhe respektieren wolle. Aber gänzlich gehalten hat diese in den ersten Stunden nicht, wobei beide Seiten einander bezichtigen, sie zuerst gebrochen zu haben.
Immerhin: Wie Trump Netanjahu unter Druck setzt, die Füße stillzuhalten, so scheint das im Fall der Hizbullah das iranische Regime zu tun. Washington und Teheran wollen zumindest dieses Hindernis auf dem Weg zu ihrer möglichen Verständigung aus dem Weg haben. Solange sie miteinander verhandeln, besteht zumindest eine Aussicht auch für die Waffenruhe in Libanon.
Das entscheidende Problem ist damit allerdings nicht gelöst. Es besteht in der schieren Existenz der Hizbullah. Sie ist als bewaffnete Miliz eine tödliche Bedrohung für Israel und stellt als Staat im Staate eine ständige Aushöhlung der Souveränität Libanons dar. Fiele Iran als ihr Sponsor aus, wäre das die Chance, sie zu entwaffnen. Aber dann müsste das immer noch einer tun.
