Die Götter haben offenbar ein ambivalentes Verhältnis zu menschlichen Geschlechtsteilen. Jedenfalls gibt es Menschen, die mit entblößter Vulva versuchen, die höheren Mächte so zu verschrecken, dass sie den Regen beenden, der andernfalls die Ernte zerstört hätte. Freigelegte und in Richtung des Himmels massierte Brüste würden hingegen eine besänftigende Wirkung erzeugen und die Götter sogar dazu verleiten, die jeweiligen Frauen anstelle eines zu beklagenden Toten in ihr Reich zu holen. Penisse wiederum seien nützlich, um dem Boden Energie und Fruchtbarkeit zurückzugeben. Als entsprechende Gruppenaktivität kopulieren Männer also mit einer hellgrünen Wiese – nicht zur Selbstbefriedigung, sondern für ein größeres, gemeinschaftliches Wohl. Das alles geht aus traditionell slawischen Erzählungen hervor. Und die Szenen dieser Rituale und Bräuche präsentiert nun Marina Abramović in ihrer Ausstellung Balkan Erotic Epic. The Exhibition, zu sehen im Gropius Bau in Berlin (bis zum 23. August).
