
Sieben von zehn Menschen in Sudan leben UN-Angaben zufolge heute in Armut – und damit fast doppelt so viele wie vor Beginn des Bürgerkriegs vor drei Jahren. „Vor dem Krieg lebten vermutlich etwa 38 Prozent der Menschen in Armut, heute schätzen wir diesen Anteil auf etwa 70 Prozent“, sagte Luca Renda, der Sudan-Vertreter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), am Dienstag.
Das UNDP veröffentlichte vor dem dritten Jahrestag des Beginns der Kämpfe im April 2023 einen Armutsbericht zu Sudan. Demnach ist die Lage in einigen der vom Bürgerkrieg am stärksten betroffenen Gebiete besonders schlimm – darunter Teile von Süd-Kordofan, dem Hauptschauplatz des Krieges, und Nord-Darfur, wo laut Renda 70 bis 75 Prozent der Menschen in Armut leben.
Als Armutsgrenze wurde ein Einkommen von vier Dollar (rund 3,40 Euro) am Tag herangezogen – mindestens ein Viertel der Bevölkerung Sudans muss jedoch mit weniger als der Hälfte dieses Betrags auskommen, wie Renda erklärte.
Mehr als elf Millionen Menschen wurden vertrieben
In dem drittgrößten Land Afrikas liefern sich die Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und die RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo einen erbitterten Machtkampf. Durch den Krieg sind Zehntausende Menschen getötet worden, mehr als elf Millionen Menschen wurden vertrieben. Der Konflikt hat zu einer der schlimmsten humanitären Krisen weltweit geführt.
„Drei Jahre nach Beginn dieses Konflikts stehen wir nicht nur vor einer Krise – wir erleben die systematische Zerstörung der Zukunft eines Landes“, sagte UNDP-Vertreter Renda. Dem Armutsbericht zufolge wurden allein im Jahr 2023 beinahe sieben Millionen Menschen in extreme Armut getrieben – während das Durchschnittseinkommen auf ein Niveau sank, das zuletzt 1992 zu verzeichnet worden war.
UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher warf der Weltgemeinschaft vor, zu wenig für einen Frieden in dem zerrissenen Land getan zu haben. Fletcher forderte am Dienstag ein sofortiges Handeln, um die Gewalt zu stoppen, Zivilisten zu schützen, Zugang zu notleidenden Menschen sicherzustellen und die humanitäre Hilfe zu finanzieren. Er betonte, dass nahezu 34 Millionen Menschen in Sudan auf humanitäre Hilfe angewiesen seien. Das entspreche zwei Dritteln der Bevölkerung. Damit litten die Menschen in Sudan unter der größten humanitären Krise weltweit. Millionen Menschen seien auf der Flucht vor der Gewalt.
Die Welthungerhilfe verwies darauf, dass der Irankrieg die Versorgungslage der Menschen in Sudan weiter verschlechtert habe. Der Generalsekretär der Organisation, Matthias Mogge, berichtete unter Berufung auf Mitarbeiter in dem Land von unterbrochenen Lieferketten und gestiegenen Transportkosten. „Treibstoff ist lokal um bis zu 80 Prozent teurer geworden, Grundnahrungsmittel wie Weizen um rund 70 Prozent“, sagte Mogge. „Für viele Familien sind selbst einfachste Grundnahrungsmittel unbezahlbar geworden.“
Am Mittwoch richtet die Bundesregierung in Berlin gemeinsam mit der EU, Frankreich, Großbritannien, den USA und der Afrikanischen Union eine internationale Sudan-Konferenz aus. Sie soll Aufmerksamkeit sowie mehr Hilfe für die Bevölkerung mobilisieren und Wege aus dem Krieg finden.
