
Auf Fitz ruhen große Hoffnungen. Der gebürtige Frankfurter soll nicht weniger als einen Genpool auffrischen. Und zwar in Kenia. Dorthin ist der Bongo-Antilopen-Bulle, der seine bisherigen drei Lebensjahre im Frankfurter Zoo verbracht hat, vor zehn Tagen aufgebrochen, derzeit befindet er sich noch im Safari-Park Dvůr Králové in Tschechien, wo die vierwöchige Quarantänezeit und weitere Untersuchungen anstehen. Als Teil eines Zucht- und Wiederansiedlungsprogramms soll das Tier dann dazu beitragen, dass im Mount-Kenya-Nationalpark wieder frei lebende Bongos heimisch werden. Derzeit kommen die Östlichen Bongos, die in der Natur nahezu ausgestorben sind, auch in diesem angestammten Lebensraum nicht mehr vor.
Zusammen mit dem Kenya Wildlife Service und der Mount Kenya Wildlife Conservancy betreut der Europäische Zooverband (EAZA) derzeit 100 Bongos in menschlicher Obhut. Fünf Bullen aus Europa sollen nach einer Eingewöhnungszeit nun in das kenianische Zuchtprogramm integriert werden und für genetische Vielfalt sorgen – einer davon ist der Frankfurter Fitz.
„Ich bin stolz darauf, dass der in Frankfurt geborene Fitz Teil dieses wichtigen internationalen Artenschutzprojektes ist. Die Bongo-Rückführung nach Kenia zeigt, dass der Ein-Plan-Ansatz der Weltnaturschutzunion IUCN greift. Dieser zielt darauf ab, alle relevanten Akteure – Regierungen, Zoos, Naturschutzorganisationen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – an einen Tisch zu bringen und sich für die Erhaltung der Biodiversität starkzumachen“, lässt sich Ina Hartwig (SPD), Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, in einer Mitteilung des Zoos zitieren.
Vom Aussterben bedroht
Die EAZA und ihre Mitgliedszoos koordinieren die Zucht der vom Aussterben bedrohten Bongo-Unterart. Das entsprechende Programm umfasst eine gesunde und genetisch robuste Population von 172 Tieren in 46 europäischen Zoos. „Der Zoo Frankfurt hält seit 1970 Östliche Bongos. 1973 kam das erste in Europa geborene Kalb in Frankfurt zur Welt – insgesamt waren es bislang 29“, sagt Zoodirektorin Christina Geiger. „Östliche Bongos sind in der Natur bereits an einigen Orten ausgestorben. Die Zeit drängt also.“ Es sei großartig, dass sich frühzeitig viele Partner zusammengetan haben, um sich mit vereinten Kräften gegen das vollständige Aussterben dieser eindrucksvollen Tiere zu stemmen.
Die europäischen Bongo-Bullen wurden nach Zooangaben nach strengen Kriterien, unter anderem hinsichtlich Alter und Genetik, für das Programm ausgewählt. Die Vorbereitungen für die Rückführung sind umfangreich und komplex. So durchlief zum Beispiel jedes Tier schon in seinem Ursprungszoo umfassende veterinärmedizinische Untersuchungen.
Die Reise der Bongos nach Afrika führt über den Safari-Park Dvůr Králové in Tschechien, außer Fitz kamen vier weitere Bullen aus Berlin sowie aus Zoos in Tschechien, der Slowakei und Dänemark dorthin. Nach der vorgeschriebenen Quarantänezeit werden die vier geeignetsten Bullen ausgewählt und noch einmal untersucht, bevor es für sie weiter nach Kenia geht.
Nach ihrer Ankunft in Nairobi werden die Bongos schließlich vom Kenya Wildlife Service, einer staatlichen Organisation, zu deren Aufgaben der Betrieb der kenianischen Nationalparks gehört, in Empfang genommen. Schrittweise werden die Nachkommen der vier Bongo-Bullen dann in die Wildnis überführt: Die Gehege werden immer größer, die Betreuung durch Menschen wird immer weiter reduziert, und schließlich wird nicht mehr zugefüttert. Irgendwann sollen dann die Gatter geöffnet werden, damit es wieder frei lebende Bongos im Mount-Kenya-Nationalpark gibt.
