Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene wären die Effekte nicht dramatisch. In bestimmten Branchen und Regionen wären sie deutlich spürbar: wenn etwa ein Arzt im ländlichen Raum wegfällt.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schlägt jetzt Alarm. Sie fürchtet um 5745 syrische Ärzte und 2000 Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern.

Das ist nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigen unsere Daten: Syrer sind breit über den Arbeitsmarkt verteilt. Männer arbeiten häufig in Verkehrs- und Logistikberufen, in Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufen, im Gastgewerbe, im Bau und im Gesundheitswesen. Frauen vorrangig in sozialen und kulturellen Dienstleistungen, in Gesundheitsberufen und ebenfalls im Gastgewerbe.
Von wie vielen syrischen Beschäftigten reden wir insgesamt?
Im Juni 2025 waren rund 320.000 syrische Staatsangehörige beschäftigt, davon etwa 88 Prozent sozialversicherungspflichtig. Die Beschäftigungsquote liegt bei 48 Prozent. 56 Prozent von ihnen arbeiten als Fachkräfte, Spezialisten oder Experten. Diese Zahl dürfte die tatsächliche Arbeitsmarktintegration der syrischen Geflüchteten unterschätzen: Eingebürgerte werden zum Beispiel nicht mitgezählt, für diese ist die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts aber Voraussetzung bei der Einbürgerung, und deshalb dürfte hier die Beschäftigungsquote vergleichsweise hoch sein. Ebenso steigt die Beschäftigungsquote mit zunehmender Aufenthaltsdauer. So waren neun Jahre nach dem Zuzug rund 60 Prozent der im Jahr 2015 zugewanderten syrischen Geflüchteten beschäftigt und etwa fünf Prozent selbständig.
Die Bundesagentur für Arbeit berichtet, dass rund 450.000 syrische Staatsangehörige Leistungen nach dem SGB II beziehen.
Man muss zwischen allen Leistungsberechtigten und den Erwerbsfähigen unterscheiden. Im November waren rund 450.000 Personen Regelleistungsberechtigte, darunter etwa 307.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Die Differenz erklärt sich fast vollständig durch Kinder. Betrachtet man nur die Erwerbsfähigen, zeigt sich: Rund 132.000 sind unter 30 Jahre alt. Viele dürften sich noch in Ausbildung, Sprachkursen oder am Übergang in den Arbeitsmarkt befinden.
Was hält die Syrer am meisten hier: die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt? Die Grundsicherung? Die Sicherheit?
Der entscheidende Faktor ist die Sicherheitslage im Herkunftsland. Das zeigen unsere Befragungen. Arbeitsmarktchancen spielen ebenfalls eine Rolle, Grundsicherung deutlich weniger. Viele Syrer beobachten die Entwicklung in ihrer Heimat abwartend. Personen mit Schutzstatus riskieren derzeit, diesen zu verlieren, wenn sie nach Syrien reisen.
Sollte es tatsächlich Syriens Wunsch sein, Hunderttausende Landsleute für den Wiederaufbau der Heimat zurückhaben zu wollen, kann sich Deutschland dem verschließen?
Der Wiederaufbau Syriens ist wichtig. Entscheidend bleibt die Sicherheitslage. Solange diese nicht gewährleistet ist, wird eine breite Rückkehr weder realistisch noch verantwortbar sein.
