In einem Buch alle Facetten der afrikanischen Küche präsentieren zu wollen, das ist so, als wolle man die europäische Küche in einem einzigen Menü einfangen – alle Spielarten von der Küste Portugals bis zum Ural. Das ist im Grunde nicht machbar. Und darum konzentriert sich Carol Waithira Mühlenbrock klugerweise auf die Küche des Landes, in dem sie geboren und aufgewachsen ist.

Entsprechend müsste ihr im Riva-Verlag erschienenes Kochbuch statt „African Comfort Food“ eigentlich den Titel „Kenian Comfort Food“ tragen. Aber da viele Gerichte, die sie dort auf gut 200 Seiten präsentiert, auch in anderen afrikanischen Regionen beliebt und in ähnlicher Art zu finden sind, ist der Band am Ende doch so etwas wie ein kleiner Streifzug durch das kulinarische Œuvre des Kontinents.
Unbedingt zu empfehlen

Der beginnt in dem Kochbuch mit den Samosas. Diese mit Gemüse oder Fleisch gefüllten und frittierten Teigtaschen stammen eigentlich vom indischen Subkontinent, haben sich mit den vielen Einwanderern, die von dort vor allem nach Ostafrika gekommen sind, aber auf dem gesamten Kontinent verbreitet. Heute sind sie auch im Süden und Westen Afrikas einer der beliebtesten Snacks – in Kenia sowieso.
Ähnlich weitverbreitet sind Ugali, fester Maisbrei, der im südlichen Afrika Mieliepap heißt, das Fladenbrot Chapati oder die frittierten Kochbananen Plantain. Typisch für Kenia ist dagegen die landeseigene Variante des Kebabs, nämlich zu Rollen geformtes und zupackend gewürztes Rinder- oder Ziegenhackfleisch, das frittiert und dann oft in Scheiben geschnitten als einfacher Happen zwischendurch gegessen wird.
Insgesamt hat Carol Waithira Mühlenbrock 80 Gerichte zusammengetragen, darunter meist frittiertes Streetfood, Salate, Suppen und typisch afrikanische Eintöpfe, aber auch deftige Currys und Ragouts sowie einige etwas aufwendigere Kreationen wie die in würziger Tomaten-Kokos-Soße servierte gebratene Seezunge. Natürlich kommen dabei typisch afrikanische Zutaten wie Maniok, Bananen, Cashewkerne, Süßkartoffeln und Okraschoten zum Einsatz, aber die Exotik der Speisen hält sich insgesamt in Grenzen.
Carol Waithira Mühlenbrock, die seit fast 20 Jahren in Deutschland lebt, lange ein eigenes Restaurant betrieben hat und jetzt mit ihrem Youtube-Kanal „Afrika kulinarisch“ sowie bei Kochevents und Workshops aktiv ist, schreibt verständliche, gut nachvollziehbare Rezepte und gibt im Laufe des Buches auch manches über sich, ihre Geschichte und das Leben in Kenia preis. Als Einstieg in die kulinarische Welt Afrikas ist ihr Buch unbedingt zu empfehlen.
Carol Waithira Mühlenbrock: „African Comfort Food“. Riva-Verlag, München 2015, 208 Seiten, 25 Euro.
