
Jeder dritte Deutsche hat schon mal um Geld gespielt – Männer häufiger als Frauen. Das zeigt der Glücksspiel-Survey 2025 des Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) und der Universität Bremen, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Im vergangenen Jahr sind dafür 12.340 Personen aus Deutschland im Alter von 16 bis 70 Jahren zu ihrem Glücksspielverhalten befragt worden. „Der Glücksspiel-Survey 2025 soll dazu beitragen, das Wissen über die Art und Intensität der Teilnahme am Glücksspiel und die damit in Zusammenhang stehenden Probleme weiter zu vertiefen“, sagt Projektleiter Jens Kalke vom ISD, „auf Grundlage der Ergebnisse dieser Untersuchung können Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes evaluiert und gegebenenfalls verbessert werden.“
Das steht sogar im Gesetz – im sogenannten Glücksspielstaatsvertrag. Dieser sorgt dafür, dass das Entstehen von Glücksspielsucht oder Wettsucht verhindert werden soll, ohne dabei den „natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung“ komplett einzuschränken. Dadurch gibt es viele staatliche Angebote, die der Entwicklung von illegalem Glücksspiel entgegenwirken sollen. Ein bekanntes Beispiel ist „Lotto 6 aus 49“. Alle zwei Jahre präsentiert das ISD zusammen mit der Universität Bremen den Glücksspiel-Survey.
Junge Spieler nutzen eher riskante Spielvarianten
Mehr als ein Drittel der Befragten (36,4 Prozent) gab an, innerhalb eines Jahres um Geld gespielt zu haben. Besonders beliebt ist das klassische „Lotto 6 aus 49“, aber auch der „Eurojackpot“ und Rubbellose erfreuen sich großer Popularität. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Männer eher um ihr Glück spielen als Frauen und ältere Menschen eher als jüngere. 7,5 Prozent der Befragten haben bereits an riskanten Glücksspielformen teilgenommen – dazu zählen Automatenspiele, Casinospiele und Sportwetten. Vor allem junge Spieler nutzen eher solche riskanten Spielvarianten. Bei ungefähr zwei Prozent war eine „Störung durch Glücksspielen“ erkennbar. Diese Einschätzung ist anhand eines psychologischen Fragebogens (DSM-5) getroffen worden.
Erstmals sind in der Studie auch glücksspielbezogene kognitive Verzerrungen bei Spielern erfasst worden. Dazu zählen etwa falsche Vorstellungen über Gewinnchancen und die Überschätzung der eigenen Fähigkeit, den Spielausgang beeinflussen oder vorhersagen zu können. Die Ergebnisse der Studie zeigen: Männer sind in stärkerem Maß von kognitiven Verzerrungen betroffen als Frauen und jüngere Spieler mehr als ältere. Darüber hinaus: Je mehr verschiedene Glücksspiele gespielt werden, desto stärker die Verzerrung.
Zusätzlich wurde zum ersten Mal „Daytrading“ in die Befragung aufgenommen. Der Begriff bezeichnet kurzfristige Börsengeschäfte, bei denen Marktteilnehmer Finanzinstrumente innerhalb eines einzigen Tages kaufen und verkaufen. 6,5 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr „Daytrading“ betrieben zu haben – Männer mehr als Frauen. Mehr als zwei Drittel der Menschen, die kurzfristige Börsengeschäfte tätigten, betrieben ebenfalls Glücksspiel. Mehr als ein Zehntel erfüllte die Kriterien der „glücksspielbezogenen Störung“.
„Dann gibt es den Punkt, an dem wir sagen: Wir sperren.“
Welche konkreten Maßnahmen werden getroffen, um Spielsucht zu verhindern? Kalke erklärt im Gespräch mit der F.A.Z., dass vom Staat zwei Arten von Maßnahmen durchgeführt werden. Einerseits gibt es Verhaltens-präventive Maßnahmen, die sich an das individuelle Verhalten der Spieler wenden, wie Aufklärungsmaterialien oder Suchthinweise („Glücksspiel kann süchtig machen“). Andererseits gibt es strukturelle Präventionen wie Werberestriktionen, die den allgemeinen Rahmen des Glücksspiels bestimmen. Darüber hinaus können Spieler gesperrt, also offiziell von der Teilnahme an Glücksspiel ausgeschlossen werden. Das System bietet mittlerweile viel Flexibilität bei der Dauer der Sperrung. Das könnte auch dazu beitragen, dass weniger Menschen in illegales Glücksspiel abrutschen, schätzt Kalke ein. Genaue Zahlen oder Studien gebe es dazu bisher nicht. 370.000 Menschen sind bereits gesperrt worden, sagt Axel Holthaus, Geschäftsführer von Lotto Niedersachsen der F.A.Z. – davon 97 Prozent aus eigener Entscheidung.
Da Holthaus selbst lange im Spielbankengeschäft tätig war, kennt er die Praxis der Prävention: „Sie können als Mitarbeiter das Spielverhalten der Menschen erkennen. Sie werden nervöser, oder sie leihen sich Geld“, sagt er. „Dann gibt es auch den Punkt, an dem wir sagen: Wir sperren.“ Ob es an dieser Stelle einen Interessenkonflikt gebe, da die Verkäufer mit wirtschaftlichem Interesse die Entscheidung über Präventionsmaßnahmen tragen, könne er nicht sagen. Es sei immer eine Balance. Aber: „Jeder Spielsüchtige ist ein Spielsüchtiger zu viel“, sagt Holthaus.
