
Ahmad Vahidi werden gute Beziehungen zum neuen Obersten Führer Irans, Modschtaba Khamenei, nachgesagt. Der neue Befehlshaber der iranischen Revolutionsgarde soll zu jenen gehören, die sich für die Wahl Khameneis starkgemacht haben. Beiden ist gemeinsam, dass sie in ihre Position gekommen sind, weil ihre Vorgänger am ersten Tag des Kriegs gegen Iran getötet wurden. Vahidis Ernennung ging schnell – er rückte innerhalb eines Tages nach. Das sollte die Stabilität des Regimes und die Resilienz der Befehlsstrukturen unter Beweis stellen.
Der 67 Jahre alte Vahidi gilt als ideologischer Hardliner. Er hat sich oft mit scharfen Tönen gegenüber Israel und Amerika hervorgetan. Seit Jahrzehnten gehört Vahidi zu den führenden Köpfen des iranischen Machtapparats. Er war Verteidigungsminister, Innenminister und Chef der für Auslandseinsätze zuständigen Quds-Einheit der Revolutionsgarde. Interpol hat den Mann aus dem südiranischen Schiraz international zur Fahndung ausgeschrieben, weil er als Drahtzieher des Bombenattentats auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires im Juli 1994 gilt. Damals wurden 85 Personen getötet.
In seine Amtszeit als Innenminister fiel der Tod von Mahsa Amini
Wie im Fall vieler anderer führender Regimevertreter begann Vahidis Karriere im Krieg gegen Irak von 1980 bis 1988 unmittelbar nach der Islamischen Revolution. Er trat der Revolutionsgarde bei, die damals gerade erst gegründet wurde, und konnte so enge Kontakte zu den Mächtigen knüpfen. Unter anderem wurde er vom früheren Präsidenten Ali Akbar Haschemi Rafsandschani protegiert und vom damaligen Obersten Führer Ali Khamenei mit der Aufgabe betraut, die Quds-Brigade aufzubauen.
Zeitweilig soll ihm ein frühes Karriereende gedroht haben: 1988 wurde er von der Militärjustiz wegen angeblicher Fehler in der Geheimdienstarbeit festgenommen. Rafsandschani setzte sich damals nach eigenen Angaben für Vahidis Freilassung ein.
Unter Präsident Mahmud Ahmadineschad wurde er 2009 zum Verteidigungsminister ernannt, was wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an dem Anschlag in Buenos Aires für internationale Empörung sorgte. Deshalb musste er mehrmals Auslandsreisen vorzeitig abbrechen. Sein Wechsel aus der Revolutionsgarde ins Ministeramt war damals eines von vielen Beispielen für den wachsenden Einfluss der Revolutionsgarde auf die Regierungsgeschäfte.
Wegen seiner Rolle als Innenminister bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten haben sowohl die USA als auch die EU Sanktionen gegen ihn verhängt. In seine Amtszeit als Innenminister fiel 2022 der Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini durch Polizeigewalt, der landesweite Proteste auslöste.
