Langsam ist gut mit Winter. Das wissen auch Reiseanbieter oder einschlägige Vergleichsportale und versuchen daher gerade mit besonderem Elan ihre Klientel mit der magischen Vokabel „Frühbucherrabatt“ zur Planung ihres Sommerurlaubs zu nötigen. Aber nicht nur für Pauschalreisende kann spät irgendwann zu spät sein.
Wir zum Beispiel hätten gerne die totale Sonnenfinsternis am 12. August miterlebt. Zum ersten Mal haben wir eine am 11. August 1999 gesehen. Da trat der Mond zum letzten Mal in unserer mutmaßlichen Lebenszeit über deutschem Territorium vollständig vor die Sonne und ließ für mehr als zwei Minuten ihren brodelnden Plasmakranz sichtbar werden. Das nächste Mal gibt es das hierzulande erst am 3. September 2081.
Die Finsternis am 12. August 2026 ist in Deutschland nur partiell, aber für die beste Sichtbarkeit des totalen Ereignisses muss man lediglich nach Island. In Keflavík nahe Reykjavík erlebt man dann 1 Minute 39 Sekunden Totalität, und zwar nachmittags um kurz vor sechs, wenn die Sonne dort noch einigermaßen hoch am Himmel steht.

Nun ist Island im Hochsommer so eine Sache. Da erfreut sich die Insel auch unverfinstert eines Besucherzuspruchs, den nicht jeder goutiert. Aber von Island aus wandert der Schatten des Mondes danach südwärts und überquert zwischen Santander und Ibiza das Königreich Spanien. Da wäre etwa die Stadt Burgos, wo die Totalität sogar 1 Minute 44 dauern und immerhin noch fünfzig Minuten vor Sonnenuntergang erfolgen wird. Da sollte doch im Januar doch noch etwas frühzubuchen sein.
Von wegen. Für alle Hotels, deren wir dort und online direkt habhaft werden konnten, baten uns die jeweiligen Websites, doch bitte auf einen anderen Termin auszuweichen. Nur im Parador de Santo Domingo de la Calzada, fünfzig Kilometer östlich von Burgos, war noch was frei, für mehr als 300 Euro das Einzelzimmer. Die Summe weckte Zweifel, die uns schon vorher hätten kommen sollen: Klares Wetter ist selbst im kastilischen Hochsommer nicht garantiert. Und für einer Finsternis so knapp vor dem Verschwinden der Sonne hinter dem Horizont würde schon geringe Diesigkeit das Erlebnis trüben.
Wer zum Ort einer Sonnenfinsternis reist, sollte dorthin also tunlichst nicht nur der Finsternis wegen reisen. Vielleicht ist es überhaupt das Beste, das kosmische Spektakel nur als Beiprogramm zu betrachten, dessen wetterbedingter Ausfall die Reise dann nicht zu einer einzigen Vergeudung von Zeit, Geld und CO2-Emissionen machte.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Das führt uns zu der Frage, in welcher Weltgegend, in die wir sowieso immer mal wollen, denn in absehbarer Zeit eine Verfinsterung fällt. Und tatsächlich: Am 22. Juli 2028 kommt es zu einer totalen Finsternis über dem Nordwesten Australiens. Am helllichten Vormittag ist in der Durack-Range westlich des Lake Argyle für mehr als fünf Minuten die Sonne finster.
Doch es geht noch besser. Bereits ein Jahr zuvor, am 2. August 2027, verfinstert sich die Sonne auf einer Linie von Gibraltar bis zum Jemen. Da der Mond der Erde an diesem Tag besonders nah kommt, ist die Totalität besonders lang. Ihr Maximum erreicht sie mit sagenhaften 6 Minuten 22 Sekunden um ein Uhr Mittag ausgerechnet in der ägyptischen Stadt Luxor – und dort gibt es auch ohne Finsternis nun wirklich genug zu sehen. Auch stelle man sich das vor: Über den Pylonen von Kanak verfinstert der Sonnengott Ra sein Antlitz. Es ist bestimmt noch nicht zu früh zum Buchen.
