
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg kommen die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir einer ersten Hochrechnung der Forschungsgruppe Wahlen zufolge auf 31,7 Prozent. Die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel erreicht demnach 30,3 Prozent. Infratest dimap sieht die Grünen in einer ersten Hochrechnung bei 31,8 Prozent und die CDU bei 29,3 Prozent.
Die Grünen erreichen damit wohl ein ähnlich starkes Ergebnis wie bei der Landtagswahl 2021. Damals kamen sie auf 32,6 Prozent und stellten mit Winfried Kretschmann den Ministerpräsidenten. Die CDU hatte bei der vergangenen Wahl 24,1 Prozent der Stimmen erhalten und regierte als Juniorpartner mit den Grünen.
Auf der Wahlparty der Grünen brach nach der Veröffentlichung der ersten Prognose Jubel aus. „Es ist ein guter Tag für Baden-Württemberg und ein guter Tag für die Grünen“, sagte der Ko-Vorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, im ZDF. Ricarda Lang, die frühere Vorsitzende der Grünen, sagte der ARD, man wolle der CDU wieder eine Zusammenarbeit anbieten.
Der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir wurde auf der Wahlparty mit frenetischem Jubel begrüßt. Er warnte jedoch davor, schon den Sieg zu erklären. „Ja, ich habe die Zahlen auch gesehen“, sagte Özdemir. „Aber es ist noch zu früh, um final was zu sagen.“ Er dankte den Wahlkämpfern und Parteifreunden, und schlug in Richtung CDU versöhnliche Töne an. „Der Wahlkampf ist zu Ende. Jetzt gilt es, dass wir gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen“, sagte Özdemir.
Der CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wollte sich noch nicht geschlagen geben. Er sagte nach der ersten Prognose: „Ich will das nicht schönreden, aber die CDU Baden-Württemberg hat am Ende massiv zugelegt.“ Auch Kanzleramtschef und stellvertretender Landesvorsitzender Thorsten Frei (CDU) äußerte, dass es den Grünen gelungen sei, einen großen Rückstand aufzuholen. Die Partei habe stark zugelegt im Vergleich zur letzten Wahl. Die Grünen hätten ihr Parteilogo versteckt, grüne Pragmatik und Politik sei nicht gewählt worden. „Wir hoffen noch immer, dass das Rennen zu unseren Gunsten ausgeht“, sagt Frei.
SPD setzt Abwärtstrend fort
Die AfD kommt der ersten Hochrechnung der Forschungsgruppe Wahlen zufolge auf Platz drei mit 17,9 Prozent. Im Vergleich zu 2021 kann sie deutlich zulegen; damals wählten sie 9,7 Prozent. Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla sprach von einem „Riesenerfolg“. „Wir sind der Gewinner des Abends“, sagte er im ZDF. „Wir haben hier ein wunderbares Wahlergebnis geschafft“, sagte Chrupalla. „Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg Volkspartei.“
SPD, FDP und Linkspartei müssen den ersten Hochrechnungen zufolge um den Einzug in den Landtag bangen. Damit setzen die Sozialdemokraten ihren Abwärtstrend in Baden-Württemberg fort: 2021 hatte sie 11 Prozent erreicht, in der Landtagswahl davor waren es noch knapp 13 Prozent. Ihr jetziges Ergebnis ist das schlechteste für die Partei in der Landesgeschichte.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bezeichnet das Wahlergebnis für die Partei als „bitter“. Man sei im Zweikampf zwischen Özdemir und Hagel in den letzten Wochen vor der Wahl unter die Räder gekommen. Man hoffe nun auf Alexander Schweitzer in Rheinland-Pfalz. Der SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch hat nach der ersten Prognose seinen Rückzug angekündigt, berichtet das ZDF.
Die FDP halbiert ihr Ergebnis von 2021; da hatte sie 10,5 Prozent der Stimmen geholt und war bisher mit 18 Sitzen im Landtag vertreten. Den Hochrechnungen zufolge wird es der Linkspartei nicht gelingen, zum ersten Mal in das baden-württembergische Landesparlament zu ziehen. Sie hatte 2021 nur 3,6 Prozent der Stimmen erhalten.
Die Wahlbeteiligung wird auf 71,5 Prozent geschätzt. 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 63,8 Prozent.
Über Monate hinweg hatte die CDU in den Umfragen in Baden-Württemberg vorn gelegen. Etwa 30 Prozent gaben im Mai 2025 an, für die CDU stimmen zu wollen; die Grünen lagen weit abgeschlagen dahinter mit weniger als 20 Prozent. Erst im Februar überholten die Grünen die CDU knapp in den Umfragen.
Die Prognosen und Hochrechnungen können sich um mehrere Prozentpunkte von den Ergebnissen unterscheiden. Bis alle Wahlkreise ausgezählt sind, dauert es noch bis in die Nacht.
