Dieser Artikel stammt aus unserem Ressort X.
Héctor sagt: Du musst keine Angst haben in meiner Stadt. Dir wird es hier gefallen, die Leute sind liebenswert und aufgeschlossen.
Wir treffen uns in einer Konditorei. Sie ist voller Menschen und laut, ein Kellner schiebt einen Wagen mit Sahnetorten. Héctor hat sein Handy auf den Tisch gelegt, blickt immer wieder drauf. In einem Ohr steckt ein Bluetooth-Kopfhörer. Héctor, 53, arbeitet als selbstständiger Sicherheitsberater. Und ehrenamtlich als Rettungssanitäter beim Rettungsdienst Gerum. Er kommt hier, wie alle anderen, nur mit seinem Vornamen vor. Denn seine Stadt, vor der ich eigentlich keine Angst haben soll, heißt Culiacán, liegt im Nordwesten von Mexiko und ist so etwas wie das Hauptquartier der mexikanischen Sinaloa-Drogenkartelle. Im Laufe der vergangenen Woche wurde hier ein älterer Herr vor seinem Haus erschossen, ein 30-jähriger Musiker mitten auf der Straße, ein Verkäufer in einem Getränkelager. Insgesamt 14 Mordopfer. Am Montag einer, am Dienstag vier, am Mittwoch vier, am Donnerstag fünf.
