
Der Deutschen Bahn droht angesichts zunehmender Gewalt in Zügen und Bussen laut einer Befragung eine massive Personalflucht. Fast jeder dritte Bahnmitarbeiter denkt über eine Kündigung nach, wie eine Umfrage der Eisenbahn-Gewerkschaft (EVG) unter ihren Mitgliedern ergab, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Freitag vorlag. Als Grund nannte ein Drittel der Befragten den Anstieg von Unsicherheit und Gewalt.
Zwei Drittel der Befragten fühlen sich auf der Arbeit demnach immer unsicherer, die Hälfte hat bereits einen körperlichen Übergriff erlebt. Beschimpfungen, Beleidigungen oder gar Bedrohungen waren insgesamt 85 Prozent derjenigen ausgesetzt, die im Kundenkontakt bei der Bahn arbeiten.
„Die ausufernde Gewalt bringt das ganze System ins Wanken“, mahnte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Kristian Loroch mit Blick auf die hohe Anzahl derer, die den Beruf gegebenenfalls verlassen wollen. Einen so massiven Personalverlust könne kein Unternehmen kompensieren. Bahnunternehmen und Politik müssten das Problem endlich in den Griff bekommen. „Sonst könnten bald massenhaft Züge und Busse wegen Personalmangels stehenbleiben“, betonte Loroch.
Die Ergebnisse der Befragung belegen einen langjährigen Trend, der im Februar mit dem brutalen Angriff auf den Schaffner Serkan C. gipfelte. Der 36-Jährige war von einem Schwarzfahrer tödlich angegriffen worden und erlag seinen Verletzungen.
