Jede Woche suchen zig Millionen Menschen in Europa ihr Glück in Lotterien. Allein in Deutschland sind es rund sieben Millionen, die auf ihrem Lottoschein 6 von 49 Zahlen ankreuzen. Vor diesen Zahlen sind alle gleich. Denn nach den Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung hat der Bürgergeldempfänger dieselben Gewinnchancen wie die Millionärserbin. Man könnte sagen, Lotto ist maximal demokratisch. Wäre unsere Demokratie vielleicht eine bessere, wenn sie wie Lotto organisiert wäre?

Das wird seit einigen Jahren ernsthaft in der Politikwissenschaft diskutiert. Denn die aleatorische Demokratie, so der Fachbegriff, hat es bereits gegeben – zum ersten Mal im antiken Griechenland. In Athen wurden die Mitglieder des Rats der 500, des Volksgerichts und eines Großteils der Magistraturen jedes Jahr unter den Bürgern ausgelost. Die athenische Demokratie kam ohne Parteien aus, und sie funktionierte nicht schlecht. Für viele ist sie bis heute der Inbegriff echter Demokratie.