Wo waren noch gleich die Langlaufskier, die es vor ein paar Jahren zu Weihnachten gab? Und die Stöcke? In den vergangenen Jahren gab es im Taunus wenig Anlass, im Keller nach dem Equipment zu schauen. Schließlich schneite es jeweils nur ein paar Tage, und wenn, schmolz der Schnee so schnell, wie er gekommen war, weil es warm wurde.
Nicht so in dieser Woche: Schon am vergangenen Wochenende schneite es bis nach Frankfurt und Wiesbaden hinein, am Feldberg liegt eine Schneeschicht von zehn Zentimetern. Das ist nicht gleich Aspen oder Ischgl, aber um ein bisschen mit den alten Skiern durch den Wald zu rutschen, genügt es. Zumal am Wochenende Neuschnee dazukommen soll. Die F.A.Z. hat sich auf die Suche gemacht nach den drei schönsten Loipen im Taunus.
Loipe 1: Rund um den Windhain
Dieser schöne Forstweg beginnt gleich hinter dem Parkplatz Kittelhütte, zwischen Seelenberg und Oberems gelegen. Gespurt ist hier nicht, aber einige fleißige Langläufer haben zwei Bahnen freigedrückt, über die es sich wunderbar gleiten lässt. Die Loipe führt links am Windhain vorbei, mit 629 Metern der höchste Berg im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis. Anfangs steigt der Weg leicht an, insgesamt sind auf dem 3,8 Kilometer langen Rundweg knapp 50 Höhenmeter zu bewältigen.
Die sind aber geschafft, sobald man nach gut zwei Kilometern kehrtmacht und den Schildern nach Seelenberg folgt. Der Weg führt nun vorbei an dem Örtchen mit seinen 566 Einwohnern, einer schönen Kirche, einer kleinen Pferdekoppel und Kindern, die die steilen Hänge des Dorfs nutzen, um mit ihren Schlitten runterzurutschen.

Ein paar vereinzelte Langläufer kommen auf der Strecke entgegen, den Kopf dick verpackt in Wollmützen. Sie blicken mit ihren Sportbrillen auf den Boden, sie sind in ihrem Element. Langlauf ist eine der wenigen Sportarten, die fast den gesamten Körper in Form bringen: 90 Prozent aller Muskeln beansprucht die fließende Bewegung aus Unter- und Oberkörper. Und auch im Kopf fließen die Gedanken beim Blick in den Wald.
Ob hier am Wochenende gespurt wird? Priorität hätten erst mal die vielen Parkplätze im Hochtaunus, sagt Uwe Hartmann. Er führt die Geschäfte des Naturparks. „Unser Mann fährt nachts um vier Uhr raus und räumt sie erst mal.“ Dann checken sie gemeinsam die Wetterlage. Aktuell sieht es so aus: „Wir haben starke Winde. Wir müssen aufpassen, nicht Leute auf eine Loipe zu schicken, auf der es zu Eisbruch kommen könnte“, sagt Hartmann.
Loipe 2: Zum Roten Kreuz
Beruhigen sich die Winde aber zu Wochenbeginn, sei es denkbar, dass nach mehreren Jahren Pause auf dem Feldberg wieder gespurt wird. Man müsse sich das so vorstellen, sagt Hartmann: Das Loipenspurgerät, das dem aus dem alpinen Skisport ähnlich ist, nur kleiner, brauche eine Schneehöhe von mindestens 15 Zentimetern. Sieben Zentimeter für die Spur, den Rest für die Auflagefläche. Liegt genug Schnee, könne gespurt werden. Auf einer Loipe sogar nicht nur im klassischen Stil, sondern auch für Skater – also Langläufer, die sich im V-Schritt vorwärtsbewegen.
Diese Loipe, insgesamt 7,6 Kilometer lang, führt von der Kittelhütte hoch zum Roten Kreuz. Sie ist die schwerste der Strecken am Feldberg: Bis zum Parkplatz Weilsberg warten 125 Höhenmeter. Auf der Strecke kommen Wintersportler an der alten, verfallenen Skisprungschanze vorbei. In den Sechzigerjahren hüpften hier Wagemutige bis zu 50 Meter ins Tal. Heute kämpfen sich wagemutige Freizeitsportler den Forstweg bis zum Roten Kreuz hoch, machen dann kehrt und können bis zur Kittelhütte entspannt die verschneiten Tannen bewundern.
In den vergangenen Tagen bildete sich hier eine selbst gemachte Spur, ähnlich wie am Windhain. Das klappt so lange, bis Spaziergänger den Weg kreuzen, die die zwei Linien im Schnee nicht zu interpretieren wissen. „Wir haben auf dem Feldberg einen enormen Besucherdruck“, sagt Hartmann. „Leider spazieren manchmal Leute durch den Wald, die keinerlei Verständnis für das Langlaufen haben.“
Loipe 3: Rund um den Weißeberg
Weg von der Kittelhütte, mitten rein in das Spektakel am Feldberg. Wenn am Wochenende Schnee fällt, werden Hunderte Tagesausflügler den höchsten Berg der Region besuchen. Viele tummeln sich rund um die Parkplätze am Sandplacken, auf 669 Meter Höhe gelegen.
Von dort führt eine Loipe rund um den benachbarten Weißeberg. Sie läuft über ruhige, malerische Wege weg von den Touristenmassen zwischen Sandplacken und Feldberggipfel. Schon im November haben Hartmann und seine Kollegen angefangen, die Strecken vorzubereiten. „Wir räumen Äste weg, legen die Trassen.“ Das sei, „um dann einmal zu spuren“, ein immenser Aufwand.

Früher, erinnert sich Hartmann, war das anders. „Als ich in den Neunzigerjahren anfing, im Naturpark zu arbeiten, hatten wir noch einen Kettenbully. Vier Wochen am Stück haben wir gespurt und nichts anderes gemacht.“ Schöne Zeiten, die vorbei sind. „Es ist traurig. Es fehlt einfach der Schnee“, sagt Hartmann.
Das mag über Wochen so sein. Ein paar Tage aber kehren die schönen Zeiten zurück, vielleicht an diesem Wochenende, vielleicht in der kommenden Woche. Und damit auch die Freude am Spuren, sagt Hartmann. Wenn die Leute den Schnee am Straßenrand sähen, wenn er und seine Leute dann die Loipen vorbereiteten, „dann gibt es Applaus“.
