Zur Wiedereröffnung der Hohenzollerngruft im Berliner Dom haben die Menschen Schlange gestanden. Bis zu rund einer Stunde warteten die Besucher am Samstag, um die sanierte Gruft besuchen zu können, wie eine Sprecherin des Doms sagte. 3.500 Menschen hatten demnach bis zum frühen Nachmittag bereits die zentrale Begräbnisstätte des früheren Kaiserhauses auf der Museumsinsel besucht. Am Tag der offenen Tür konnten Interessierte den Dom und die neugestaltete Gruft bis 18 Uhr kostenlos besuchen.
Die Hohenzollerngruft im Berliner Dom enthält insgesamt 91 Bestattungen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich um Fürsten und Könige aus dem Haus Hohenzollern und deren Familienangehörige. Die Hohenzollern waren seit dem späten Mittelalter eine europäische Dynastie, die in weiten Teilen des Kontinents agierte.

Berühmte Persönlichkeiten in der Gruft sind etwa Preußenkönig Friedrich I. (1657–1713) und seine Frau Sophie Charlotte (1688–1705). Nach ihrem Tod benannte Friedrich I. nicht nur das Schloss Charlottenburg in Berlin nach ihr, sondern sogar den ganzen Stadtteil. Auch Königin Elisabeth Christine (1715–1797), die als erste „Landesmutter“ galt, fand dort ihre letzte Ruhe.
Neues interaktives Modell der Gruft
Die rund 1.400 Quadratmeter große Gruft musste unter anderem umfassend saniert werden, weil steigende Besucherzahlen dem Klima zusetzten. Feuchtigkeit und Wärme machten den Särgen zu schaffen und Schimmelpilze bildeten sich.

Neben einem neuen Rundgang und einer Klimaanlage gibt es nun zum Beispiel für die Barrierefreiheit einen Aufzug runter zur Gruft. Dort können sich Besucher zunächst in einem neu konzipierten Vermittlungsraum etwa über die Geschichte der Hohenzollern oder das Thema Kindersterblichkeit informieren. Außerdem steht dort ein großer runder Tisch mit einem interaktiven Modell der Gruft und Touchpads, über die Interessierte Informationen zu den einzelnen Särgen und den Menschen, die darin liegen, bekommen können. Im Anschluss können die Besucher zwischen den 91 Särgen frei bewegen. Diese wurden im Zuge der Arbeiten neu positioniert.
Mit der Wiedereröffnung erhöhen sich jedoch die Eintrittspreise. Von bislang 10 Euro steige der Preis für nicht ermäßigte Tickets auf 15 Euro, so Domprediger Stefan Scholpp. Tickets können demnach sowohl online als auch vor Ort gekaut werden.
Am morgigen Sonntag findet ein Festgottesdienst statt, bei dem neben Kulturminister Wolfram Weimer (parteilos) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auch ein Vertreter des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen, erwartet wird.
Die Grablege der brandenburgischen und preußischen Herrscherfamilie zählt neben dem Escorial in Madrid und der Kapuzinergruft in Wien zu den größten dynastischen Familiengrüften in Europa. Die Umbauarbeiten kosteten rund 29,5 Millionen Euro.
