Sie lesen den KI-Newsletter “Natürlich intelligent” vom 26. Februar 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an.
Samsung hat am Mittwochabend seine neuesten Smartphones vorgestellt, natürlich mit ganz viel KI. Das
Unternehmen präsentierte die Galaxy-S26-Handys als “KI-Agenten” und meinte
damit: Wenn Kollege Jakob eine WhatsApp “Feierabendbier?” schreibt, im Kalender
aber schon “17 Uhr: Jetzt aber wirklich den Newsletter abschicken” steht, warnt
das Handy vor der Terminkollision. Wenn das schon ein Agent ist, dann ist der Begriff das nächste
KI-Wort, das im KI-Hype jede Bedeutung verloren hat. Mehr zu den
neuen Handys und ihrer KI im Ausprobieren-Teil.
Das müssen Sie wissen: Nvidia jagt Rekord um Rekord
Als ich als
Teenager meine erste GeForce-Grafikkarte in meinen PC schraubte, um Crysis oder
BioShock zu spielen, hätte ich nicht gedacht, dass deren Hersteller
einmal eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt wird. Genau das ist
Nvidia aber heute. Der Chiphersteller schloss das vergangene Quartal erneut mit
einem Rekord ab, der Umsatz lag bei 68,1 Milliarden US-Dollar. Das ist im
Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 73 Prozent.
Das zeigt, wie
sehr der KI-Boom 2025 noch einmal an Fahrt aufgenommen hat. Nvidia steht
im Fokus dieses Booms – seine Chips sind essenziell für die KI-Datenzentren.
Entsprechend haben diese zuletzt auch mehr als 90 Prozent des Umsatzes des
Unternehmens ausgemacht (Gaming macht übrigens nur noch 5,5 Prozent aus).
Nvidia hat dabei eine so herausgehobene Stellung, dass es auch hohe Preise
verlangen kann: Von seiner Bruttomarge von 75 Prozent dürften die meisten
Unternehmen nur träumen.
Die Nachfrage
nach mehr Rechenleistung steige exponentiell, sagte Nvidia-CEO Jensen Huang in der
Analystenkonferenz nach Bekanntgabe der Ergebnisse. “Sogar unsere sechs Jahre
alten GPUs (Grafikkarten, Anm. d. Red.) in der Cloud sind vollständig
ausgelastet, und die Preise steigen.” Vielleicht sollte ich mal bei Huang
anrufen: Eine sechs Jahre alte Grafikkarte hätte ich auch noch.
Darüber sollten Sie nachdenken: Bereiten wir uns ausreichend auf die KI-Zukunft vor?
Große Zahlen
ist man bei künstlicher Intelligenz ja inzwischen gewohnt, nicht nur bei
Nvidia. Hier kommt so eine neue Zahl für Deutschland: 440 Milliarden Euro
ließen sich hierzulande durch den flächendeckenden Einsatz von KI in der
Wirtschaft bis 2034 heben, so
steht es in einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Drei Viertel davon rechnen die Ökonomen der
gesteigerten Effizienz durch KI zu, den Rest möglichen Innovationen.
Mag sein, dass
die Wirtschaftswissenschaftler recht haben. Bisher hat die KI jedenfalls noch
nicht viel fürs Wachstum (außer für das des Depots von Nvidia-Anlegern) getan, sagen
zumindest Analysten der Bank Goldman Sachs: KI habe “im Grunde keinen”
Beitrag zum Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts geleistet. Dafür kostet sie
ganz schön viel Energie. Aber hey, wie Sam Altman sagen würde: “Menschen
zu trainieren braucht ebenfalls viel Energie!” Schiefe Vergleiche können
sie einfach im Silicon Valley.
Vielleicht
muss es aber auch nicht immer um Wachstum gehen. Denn dass KI die Gesellschaft
stark verändert und verändern wird, steht außer Frage. Wo bleibt der Mensch,
wenn KI Code schreiben, Rechtsberatung geben oder Diagnosen stellen kann? Mein
Kollege Jakob von Lindern schrieb diese Woche, dass wir uns auf diese Zukunft
nicht genug vorbereiten. “Es bedarf keiner Warnung vor dem Maschinengott. Wohl
aber davor, sich in eine selbst verschuldete Unmündigkeit zu begeben gegenüber
einer Technologie – und denen, die sie verkaufen.” Eine gute Nachricht für Sie:
Als Natürlich-intelligent-Leser treffen Sie schon eine hervorragende
Vorbereitung.
Das können Sie ausprobieren: Die KI in Ihrem Samsung-Smartphone
Zurück zum
Samsung S26. Auf einer Presseveranstaltung in der Samsung-Deutschlandzentrale habe
ich die neuen Handys des Konzerns ausprobiert. Die eingangs erwähnte
Terminkollisionswarnung kommt von “Now Nudge”, einer KI-Funktion, die Samsung
in Messenger-Apps einbaut. Auf den Testgeräten funktionierte das mit
Testnachrichten gut. Fragte jemand nach Urlaubsfotos, schlug das Handy die
richtigen Bilder direkt vor. Ob das auch im Alltag so gut funktioniert, werde
ich in den kommenden Wochen testen. Mein Highlight war allerdings eine neue
Bildschirmtechnik, die das neugierige Mitlesen in der Bahn unmöglich macht. Und
das ganz ohne KI.
Für Sie als
KI-interessierte Leserinnen ist womöglich besonders bemerkenswert, was ein
Samsung-Manager am Rande der Veranstaltung erzählte. Man habe eine gewisse “AI-Challenge” vor sich, sagte er: Eine Befragung habe ergeben, dass nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Deutschen angibt, regelmäßig KI zu nutzen. Schaue man aber, welche Funktionen die Befragten wirklich nutzen, ergibt sich ein “AI powered“-Anteil von fast 90 Prozent. Samsungs Folgerung daraus: Die Leute wissen gar nicht, wie sehr sie KI mögen. Deshalb müsse man sie nur davon überzeugen, wie toll KI-Funktionen doch eigentlich sind.
Dass bei Weitem nicht jeder KI-Tools nutzt, stellen auch andere fest: Nach einer aktuellen
Befragung der US-amerikanischen Bevölkerung durch YouGov nutzen nur 59
Prozent der US-Amerikaner KI häufig oder gelegentlich – ein Drittel nutzt sie nie oder weiß es nicht. In
Deutschland sehen die Zahlen ähnlich aus. Und nutzen heißt nicht gut
finden: Im vergangenen Jahr ergab eine Befragung des Pew Research Center, dass die
Allgemeinbevölkerung KI gegenüber wesentlich kritischer eingestellt ist als
KI-Experten.
Ich schließe
daraus zweierlei. Erstens: Wenn man jede Funktion, die auch nur entfernt mit
maschinellem Lernen zu tun hat, als “KI” einstuft, ist natürlich auch überall KI
drin. Nutze ich eine KI, wenn ich ein Foto mache oder mein Handy meine
Rechtschreibung verbessert? Na ja, ein bisschen vielleicht, nur das Wort
bedeutet dann eben nichts mehr.
Zweitens:
Vielleicht müssen Unternehmen wie Samsung es gar nicht als “Challenge”
begreifen, ihre Kunden von KI zu überzeugen. Sondern vielleicht haben die
Kunden, man mag es kaum glauben, ja sogar recht und KI-Features sind oft Pizza-Kleister-Käse.
Viele Käufer interessieren sich
statt für KI-Features mehr für: Orange. Vielleicht sollten sich Unternehmen
wie auch ihre Investoren daran wieder erinnern und KI nur dort einbauen, wo
diese auch wirklich was bringt. Mein Toaster braucht keinen Chatbot. Und mein
Feierabendbier auch nicht.
