
Gianni Infantinos jüngster Auftritt mit roter USA-Kappe auf dem Kopf bei Donald Trumps Friedensrat ist abgeräumt, jedenfalls aus Sicht des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Infantinos Ankündigung bei dem Treffen, 75 Millionen Dollar (etwa 64 Millionen Euro) des Internationalen Fußball-Verbands FIFA in Gaza zu investieren, erfülle „voll und ganz die Rolle eines internationalen Sportverbands“, zitiert die Nachrichtenagentur AP einen IOC-Sprecher.
Nicht abgeräumt hingegen ist der Eindruck, den IOC-Präsidentin Kirsty Coventry bei ihrer Abschlusspressekonferenz am Freitagnachmittag in Mailand gemacht hatte. Weder von Infantinos Auftritt bei Trump tags zuvor wollte sie gewusst haben, noch kannte sie die Ansicht des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der eine Bewerbung für Olympische Spiele 2036 mit Verweis auf die Nazi-Spiele von 1936 ablehnt („dazu habe ich also nicht wirklich eine Meinung“, sagte Kirsty Coventry), noch war ihr ein Artikel der „New York Times“ bekannt, in dem es um mögliche Verwicklungen der Chefin der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada in den Betrug bei den Winterspielen 2014 geht.
Fit für die Zukunft?
„Vielleicht muss ich jemanden entlassen“, hatte die IOC-Präsidentin mit Blick auf ihr Presseteam gesagt – ein von der „Deutschen Welle“ verbreiteter Zusammenschnitt von Coventrys Auftritt bei der Pressekonferenz drehte im Laufe des Wochenendes mehr Runden als die Olympischen Ringe.
So wird nun auch dieser Eindruck das Bild von der IOC-Präsidentin prägen, von der erwartet wird, dass sie bis Ende Juni, dem ersten Jahrestag ihrer Präsidentschaft, klar erkennen lässt, wie es künftig weitergeht, auch bei Olympischen Winterspielen. Welche Sportarten bleiben im Programm, welche kommen hinzu, was bedeutet „fit for future“, fit für die Zukunft, der Slogan, den Kirsty Coventry als Mantra vor sich herträgt, denn nun inhaltlich?
Medaillen für AIN werden im Medaillenspiegel nicht aufgeführt. Aufgrund der Dopingmanipulationen, eines in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystems und der teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.
Auf der Haben-Seite führt ihre Organisation neue Rekordzahlen an, in weiten Teilen der Welt sei das Interesse an Winterspielen so groß wie nie. Zugleich hatte Kirsty Coventrys Ansatz, die Olympischen Spiele seien „neutral“, schon durch den schließlich disqualifizierten ukrainischen Skeleton-Piloten Wladyslaw Heraskewytsch eine PR-Niederlage erlitten. Innerhalb der olympischen Blase wird der Schiedsspruch des Internationalen Sportschiedsgerichts als Bestätigung und Sieg aufgefasst.
Außerhalb bleibt das Bild eines wegen seiner Erinnerung an die Unmenschlichkeit des russischen Krieges disqualifizierten Ukrainers. Und das Bild einer IOC-Präsidentin, die Fragen, wie, wann und wo mit Russland über einer Rückkehr auf die olympische Bühne verhandelt werde, inhaltlich ausweicht und zur Rückkehr von Putins Sportlern ausgerechnet in die Paralympics in wenigen Wochen in vollem Ornat nur zu sagen hat, dass das Internationale Paralympische Komitee unabhängig vom IOC agiere.
Die Fragen an Kirsty Coventry und ihre IOC-Präsidentschaft sind während der Spiele von Mailand und Cortina nicht weniger geworden, ganz im Gegenteil. Viele sind noch nicht beantwortet.
