Haben Sie das mitbekommen? Wie geschmeidig sie die Waffe in den Anschlag genommen haben, sanft am Abzug zogen, den Blick super fokussiert nach vorn auf die Ziele gerichtet? Wir denken nicht an die Biathlon-Profis im olympischen Staffelrennen. Die haben das auch ganz gut gemacht, klar.
Aber Joshua Kimmich und Jürgen Klopp waren am Dienstag beim Biathlon in Antholz! Haben sich ein paar Rennen angeschaut und mitgefiebert. Der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und der „Head of global soccer“ von Red Bull durften auch mal Hand anlegen. Mit einer Laser-Waffe ein bisschen herumballern. Auf Schritt und Tritt begleitet von Kameras. Der pure Wahnsinn. Hoffentlich haben Sie das im Fernsehen gesehen, man konnte es gar nicht verpassen. Es war – episch!
Wie cool muss man sein, um so entspannt wie Jürgen Klopp vor 19.000 Zuschauern im heftigen Schneefall die Glocke für die Schlussrunde zu läuten? Ding-ding-ding-ding-ding für Eric Perrot, dann noch mal ding-ding-ding-ding für Vetle Sjaastad Christiansen und sogar ein drittes Mal für Sebastian Samuelsson – ding-ding-ding! Mega cool. So lässig kann das nur der „Head of global soccer“ von Red Bull. Der Bundespräsident war letztens auch schon beim Biathlon. Fehlt nur noch Messi beim Massenstart, oder?
Medaillen für AIN werden im Medaillenspiegel nicht aufgeführt. Aufgrund der Dopingmanipulationen, eines in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystems und der teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.
Beruhigen wir uns lieber. Es ist Olympia! Hier soll es um alles gehen, nur nicht um Fußball. Wenigstens einmal in vier Jahren kann man den Fernseher anmachen, und es rollt kein Ball durchs Bild – oder ist schon wieder Champions League?
Zur Bob-Bahn tingelte Jürgen Klopp auch noch. Am Abend vorher war er im Deutschen Haus gesichtet worden, den Österreichern stattete er ebenfalls einen Besuch ab. Alles minutiös dokumentiert, festgehalten in Wort, Bild und Ton. Parallel trennte sich der österreichische Fußballklub RB Salzburg von seinem Trainer. Und zack, stand König Fußball wieder im Mittelpunkt. Wer wird Thomas Letschs Nachfolger? Da wollte Klopp nicht zu viel verraten.
Viele Sportarten hadern zu Recht damit, dass der Fußball alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, jedes Zitat von Lothar Matthäus scheinbar mehr Klicks erntet als die Nachricht, welcher Wintersportler auf welche herausragende Art und Weise einen Weltcup gewonnen hat. Dazu trägt auch die Berichterstattung bei, die sich gerne auf den prominenten Besuch als auf das Rennen konzentriert.
Die Publicity eines Fußballer-Besuchs nutzen auch Sportverbände gern, um die eigenen Kanäle zu bespielen, ein Stück vom Hype abzubekommen. Dabei haben die Winterspiele auch ohne Klopp und Kimmich genug zu bieten. Dramen und Betrügereien inklusive. In erster Linie aber Geschichten von Menschen, die im wichtigsten Moment ihres Lebens als Sportler und Sportlerin versuchen, ihr Bestes zu geben. Vielen gelingt es spektakulär.
Das haben selbst Fußballstars so noch nicht gesehen.
