Das vorzeitige „Arrivederci, Milano“ ist abgewendet. Die Eishockey-Nationalmannschaft erarbeitete sich in ihrem ersten K.-o.-Spiel bei diesen Olympischen Spielen den erhofften Erfolg. Es war dabei ein weiteres Mal längst nicht alles Gold, was glänzte. Aber dem Team genügte in seinem Play-off-Duell mit Frankreich eine anfangs zielstrebige und gegen Ende clevere Leistung zum 5:1 (3:0, 0:1, 2:0).
Mit dem Sieg qualifizierten sich die Deutschen fürs Viertelfinale, das an diesem Mittwoch, ebenfalls zur Mittagszeit, gegen die Slowakei folgt (12.10 Uhr, ZDF). Als Torschützen leisteten Leon Draisaitl im Powerplay (4. Minute), Frederik Tiffels (12.) und John-Jason Peterka (19.) früh einen wichtigen Beitrag. Doch um den Bestand des damit verbundenen Sicherheitsgefühls war es nicht fortwährend gut bestellt, sodass der Auftritt einen weiteren Eindruck hinterließ, der nur in Ansätzen zur Kaderqualität und den Ambitionen passte, die alle beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) mit dieser Veranstaltung verbinden.
Nico Sturm erwartet eine „ekelhaft“ anstrengende Auseinandersetzung
Nico Sturm, der 56 Sekunden vor ultimo per Empty-Net-Goal das Ergebnis abrundete, sprach von „einem Schritt in die richtige Richtung“. Der 30-Jährige nannte es „unseren Anspruch, Spiele gegen Frankreich zu gewinnen“.
Die Auftragserfüllung führte er auf die Umsetzung der Konzentration aufs Wesentliche zurück: „Erst müssen wir in unserem System an die Verteidigung denken, dann kommen offensiv die Skills von ganz allein“, sagte der Stürmer. Gegen die Slowaken erwartet er eine „ekelhaft“ anstrengende Auseinandersetzung. „Dafür müssen wir das bislang beste Spiel des Turniers zeigen“, fügte Sturm an, der mit der Absicht in die Kabine ging, „viel zu trinken und mich schnell zu erholen“.
Die Idee von Harold Kreis, mit Wechseln im Line-up ein Signal zu setzen, ging phasenweise auf: Die Umstellungen trugen zunächst zu Stabilität und Durchschlagskraft gegen den Weltranglisten-Vierzehnten bei. Der Bundestrainer setzte zwischen den Pfosten wieder auf Philipp Grubauer, der beim 1:5 gegen die USA eine Pause erhalten hatte – und am Dienstag zwar ins Schwitzen geriet, wie zu sehen war, als er auf dem Weg durch die Katakomben der Santagiulia-Arena seinen Helm abnahm, aber nicht so ausgepowert schien, dass er sich davon länger erholen müsste.
Medaillen für AIN werden im Medaillenspiegel nicht aufgeführt. Aufgrund der Dopingmanipulationen, eines in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystems und der teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.
„Wir haben uns vorgenommen, uns immer zu unterstützen. Das haben wir alle gut umgesetzt“, sagte Grubauer, dessen Fangquote von 97 Prozent Ausdruck seiner formidablen Form ist, die auch gegen die Slowaken ein Faktor werden könnte, der den Unterschied macht.
Der Bundestrainer beorderte Lukas Reichel in die erste Angriffsreihe. Der NHL-erfahrene 23-Jährige rückte an die Seite von Kapitän Draisaitl und Tiffels, während Joshua Samanski seinen Platz neben Tim Stützle und John-Jason Peterka erhielt. Beide Formationen gehörten zu Beginn zu den Energielieferanten, die mit flotten Schritten den Verteidigern in den dunkelblauen Trikots wegsprinteten.
Auch die Franzosen hatten personelle Änderungen vorgenommen, allerdings aus disziplinarischen Gründen: Sie suspendierten Pierre Crinon. Der 30-Jährige hatte sich beim 2:10-Debakel gegen Kanada einen Faustkampf mit Thomas Wilson geliefert; zwei Schiedsrichter mussten eingreifen, um die Streithähne zu trennen.

„Das provozierende Verhalten von Pierre Crinon beim Verlassen des Eises, obwohl er gerade wegen einer Schlägerei des Spiels verwiesen worden war, stellt einen eindeutigen Verstoß gegen den olympischen Geist dar und schadet zudem den Werten unseres Sports“, teilte der französische Verband mit. Bei den Kanadiern ist Flügelstürmer Wilson dagegen weiter gesetzt, wenn es an diesem Mittwoch (18.10 Uhr) in der Runde der letzten acht Nationen für den Titelmitfavoriten gegen den Sieger der Partie Tschechien gegen Dänemark weitergeht.
Zu Beginn des zweiten Abschnitts entschied „Le Coach“, wie Yorick Treille von seiner Equipe genannt wird, dass Schlussmann Julian Junca Platz machen musste. Er hatte bei den bis dahin drei deutschen Treffern – und darüber hinaus bei zehn weiteren Schüssen, die auf ihn abgegeben worden waren – keine verlässliche Figur abgegeben. Ihn ersetzte Antoine Keller. Auch vorne lief es sodann besser gegen die DEB-Auswahl, die achtloser verteidigte. Pierre-Édouard Bellemare nutzte die Nachlässigkeit zum 3:1 (25.), den Deutschen gelangen kaum noch strukturierte Vorstöße.
Stattdessen gerieten sie durch eine schlechte Passqualität in Bedrängnis, und Marc Michaelis brachte aus kurzer Distanz den Puck nicht ins leere Tor (33.). Erst als ihr Auftritt wieder mehr von der von ihrem früheren Kapitän Moritz Müller geforderten „Geradlinigkeit“ gekennzeichnet war, gewannen Kreis’ Leute die Kontrolle zurück. In Überzahl erzielte Samanski das 4:1, mit dem sie die Gefahr, dass sie scheitern könnten, zwölf Minuten vor dem Ertönen der Schlusssirene abwendeten.
