Liebe Leserin, lieber Leser,
in der Süddeutschen
Zeitung
war neulich zu lesen, die Currywurst kehre zurück – als
tröstendes, vertrautes Soul Food in einer fordernden Zeit. Ich hatte
noch nicht mal mitbekommen, dass sie überhaupt weg gewesen war. Sie
hatte mich immer schon erwartet an den Orten, in die ich kam. Im
Ruhrgebiet, wo ich studierte, war sie quasi zu Hause. In Berlin, wo
ich Arbeit fand, war sie noch zuhauser. Und auch Hamburg hat zu ihr
eine enge Beziehung, obwohl man Uwe Timms Die
Entdeckung der Currywurst
vielleicht nicht als historische Quelle betrachten sollte.
Zum Currywurstkult
gehört der Anspruch, die beste der Stadt zu haben. Er führte mich
erst zu den Curry Pirates nach Barmbek, deren Feinkostvarianten mit
Aprikosen im Wurstbrät aber weit weg vom Original sind. Jahre später
drängte dann das Kiezlokal Zur Ritze ins Geschäft
– mit einer
beachtlichen Wurst. Unappetitlich fand ich bloß den Tipp des Kochs,
das Dessert im Puff seines Vertrauens einzunehmen.
In der Kleinen Rast
widerfährt einem so etwas garantiert nicht. Der Imbiss des
Der-Hamburger-Verlegers
David Pohle am Nienstedtener Elbufer hat den gediegenen Charme des
Hamburger Westens. Als ich nach einem Spaziergang dort einkehrte,
bedienten zwei sehr höfliche Jungs. Ich merkte mir meine
Abholnummer, ging mit einem Glas Rosé an den Strand und freute mich
auf die laut Werbung »beste Currywurst (vor New York)«.
Es wurde ein
beschaulicher Abend mit Livemusik und adretten jungen Leuten, die im
Sand saßen und vapten. Ich mochte auch die ziemlich feste Wurst von
einem Metzger aus Othmarschen. Und die fruchtige Tomatensoße
mit verhaltener
Schärfe und die krossen Pommes. Doch der erhoffte Soul-Food-Effekt
stellte sich nicht ein. Das muss am Ambiente gelegen haben, so schön
es eigentlich ist. Mit Currywurst verbinde ich urbane Räudigkeit:
Graffiti, Aschenbecher, Pappteller, Dosenbier. Nicht Möwen, laue
Herbstluft und die Spiegelung der Sonne im Wasser. Nächstes Mal
probiere ich das Fischbrötchen, das sie hier auch anbieten. Es ist
sicher das ebenfalls beste (vor Jork).
Ich wünsche Ihnen einen
schönen Tag!
Ihr
Michael Allmaier
Was heute wichtig ist
Hamburgs
Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) reist heute
mit einer rund 30-köpfigen Delegation nach Vietnam und China.
Im Mittelpunkt der Reise nach Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Hamburgs
Partnerstadt Shanghai stehen der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen
sowie der Kooperationen in der Wissenschaft, teilte der Senat mit.
Karin
Beier bleibt Intendantin am Deutschen Schauspielhaus.
Der Aufsichtsrat habe ihre Vertragsverlängerung bis Juli 2031
einstimmig beschlossen, teilte die Kulturbehörde mit. Beier
setze künstlerische Maßstäbe und führe das Haus mit großer
programmatischer Kraft und Klarheit, lobte Kultursenator Carsten
Brosda (SPD). Das Schauspielhaus wurde 2024 unter ihrer Leitung zum
Theater des Jahres gekürt.
Im
Hafen ist eine Gasturbine des neuen
Kraftwerks erfolgreich getestet worden.
Die Turbine ist Teil einer Gas-und-Dampfturbinen-Anlage, die im
sogenannten Energiepark Hafen in Waltershof installiert wird und nach
Angaben der Energiewerke bis Jahresende in Betrieb genommen werden
soll. Der Energiepark soll das Kohlekraftwerk Wedel ersetzen.
Die
Hochbahn erwartet in Zukunft einen
geringeren Bedarf an Fahrern.
Personalvorständin Saskia Heidenberger schätzt, dass das autonome
Fahren Mitte der 2030er-Jahre einen spürbaren Effekt haben werde.
Sie plane derzeit mit Arbeitnehmervertretern, wie die Transformation
bewältigt werden kann.
Nach
seiner Restaurierung wird heute das
Denkmal Hier + Jetzt der deutsch-französischen Künstlerin
Gloria Friedmann wieder eingeweiht. Es steht vor dem Hanseatischen
Oberlandesgericht und erinnert seit 1997 an
die Opfer der nationalsozialistischen Justiz.
Auf
Initiative von Justiz- und Kulturbehörde sowie der Stadtkuratorin
Joanna Warzsa (Z+) wurde das Kunstwerk diesen Sommer
umfassend von
Markus Lohmann
(Z+) saniert.
Aus Hamburg
Um 18.10 Uhr trabte ein Kind auf allen Vieren durch den Saal
Hamburg
plant einen Stellenabbau an Ganztagsgrundschulen. Darüber wollten
sich so viele Eltern beschweren, dass das Rathaus wegen Überfüllung
gesperrt wurde. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von
ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa.
Es
passiert nicht oft, dass ein Rathaus wegen Überfüllung geschlossen
werden muss. Doch in Hamburg war es an diesem Mittwochabend so weit.
Der Schulausschuss der Bürgerschaft hatte zu einer öffentlichen
Anhörung in den Festsaal des Hauses geladen. In dem prunkvollen
Raum, unter drei tonnenschweren, golden glitzernden Kronleuchtern,
konnten Bürgerinnen und Bürger ihrem Ärger über geplante
Einsparungen an Ganztagsgrundschulen Luft machen. Diese Einladung
nahmen viele an. Zu viele, wie sich zeigte.
Bereits
um 16 Uhr hatte eine Demonstration vor dem Rathaus begonnen, an der
sich nach Medienberichten 800 Menschen beteiligten. Viele von ihnen
setzten sich kurz darauf in Bewegung, mit Protestbannern in der einen
Hand, Grundschülern an der anderen, teils auch mit kleinen
Geschwistern in Kinderwagen, durch das große Portal ins Rathaus
hinein.
Schnell
staute es sich auf der Rathausdiele und an den Treppen zum Festsaal,
der ebenfalls voller Menschen war. Schon um kurz vor 17 Uhr hieß es:
Einlassstopp!
Der
Menschenauflauf markierte einen historischen Moment: Nach Jahren des
beharrlichen Ausbaus des Schulsystems, in denen Hamburg sich vom
bildungspolitischen Problemfall zum
Vorbild für andere Bundesländer mauserte (Z+), plant der rot-grüne Senat wegen
der angespannten Haushaltslage (Z+)
nun spürbare Einschnitte an den
Schulen.
Wie es ab 17 Uhr im Saal weiterging und mit welchen Argumenten Hamburgs Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD) die Sparpläne verteidigte, lesen Sie in der ungekürzten Fassung. →
Zum Artikel (Z+)
Schon gelesen?
Der große kleine Bruder
Fridolin Sandmeyer
lebt seinen Traum in Berlin: Er wird Schauspieler. Doch dann folgt
ihm sein jüngerer Bruder Merlin in den Beruf – und wird
erfolgreicher. Merlin Sandmeyer lebt in Hamburg und wurde vor allem
durch die Fernsehserie »Die Discounter« berühmt. Gönnt der Große
dem Kleinen das? ZEIT-Redakteurin Stella Schalamon hat die beiden
getroffen. →
Zum Artikel (Z+)
Darauf können Sie sich freuen
Bei
der Code Week, die am Samstag startet, können Kinder und Jugendliche
an kostenfreien Workshops zum Thema Hacken und Programmieren
teilnehmen. Morgen etwa gibt es von 10–16 Uhr eine Mitmachmesse in
der Zentralbibliothek am Hühnerposten.
Code
Week, 10.–25.10.; diverse Orte
Meine Stadt
Eine Reminiszenz an die Cremonbrücke, die 2021 abgerissen wurde © Carsten Klemann
Hamburger Schnack
Eine
junge Frau vor dem Drogeriemarkt zu ihrer Freundin: »Also, wenn ich
kein Parfüm drauf hab, ist es nicht so, dass ich stinke. Aber ich
habe so gar keinen Charakter!«
Gehört
von Christoph Farkas
Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.
