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Der Debütroman C’était ça ou mourir (»Entweder das oder sterben«) des Kanadiers Thélyson Orélien war ein Riesenerfolg: Das Buch verkaufte sich allein in Frankreich mehr als 35.000 Mal, gewann mehrere Literaturpreise. Bis jemand es in ein Programm warf, das Texte erkennt, die mit künstlicher Intelligenz generiert wurden. Das Ergebnis: Der Roman soll zu 100 Prozent KI-generiert sein.
Klare Sache? Mitnichten. Der Autor nämlich bestreitet den Vorwurf, wie mein Kollege Leon Lindenberger berichtet. Orélien sagt, er habe schon 2017, bevor ChatGPT den KI-Hype lostrat, mit der Arbeit an seinem Buch begonnen. Trotzdem wurde sein Werk von der Nominierungsliste des renommierten französischen Prix Goncourt gestrichen. Die Skepsis allein reichte offenbar aus.
Die Debatte ist damit nicht abgeschlossen, kann sie vielleicht nie sein. Wie es wirklich war, wird sich nämlich kaum abschließend klären lassen. Denn genauso wie Menschen lügen können, können KI-Detektoren auch falsch liegen, können Trainingsdaten für Verzerrungen sorgen. Und so ist die Frage weniger, was stimmt. Sondern wem wir lieber vertrauen wollen – Mensch oder Maschine?
Das müssen Sie wissen: Elon Musk will Nvidia-Chips im Wert von 40 Milliarden US-Dollar kaufen
In der KI-Welt sind Milliardensummen so alltäglich geworden, dass man sie manchmal herunterbrechen muss, damit man sie überhaupt noch begreifen kann. Die Financial Times berichtet, dass Elon Musk gerade versucht, 40 Milliarden US-Dollar über Kredite und Anleihen einzutreiben. Damit will der SpaceX-Chef Nvidia-Chips kaufen. 40 Milliarden Dollar sind ungefähr 36 Milliarden Euro. Damit kann man 122 Lamine Yamals kaufen. Oder acht Jahre lang das deutsche Digitalministerium finanzieren.
Interessant daran ist nicht nur die Summe. Sondern auch, dass Musk damit all-in geht: Er setzt alles auf Nvidia. In einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen hatte Musk schon im August gesagt, dass man ausschließlich Nvidia verwende, weil »die Vera-Rubin-Architektur die beste Architektur« sei.
Damit spielt er auf einen Faktor an, der in der KI-Welt längst kein Geheimnis mehr ist: Nvidia ist nicht nur wegen seiner extrem leistungsfähigen Chips so erfolgreich. Sondern auch, weil es Hard- und Software zusammendenkt. Die Vera-Rubin-Architektur ist wie ein Gesamtpaket aus verschiedenen Chips und Systemen für Firmenkunden. Nvidia selbst spricht von einem Supercomputer. Vor allem für agentische KI und Reasoning-Modelle soll sie besonders gut geeignet sein. Und das ist Musk offenbar einiges wert.
Darüber sollten Sie nachdenken: Was Sie mit Ihrem Chatbot besprechen, kann auch an Dritte gehen
Es gibt zwei Begriffe, die die Probleme der Plattformökonomie der vergangenen zwei Jahrzehnte präzise auf den Punkt bringen. Der Internetkritiker Cory Doctorow beschrieb die zunehmende Verschlechterung von Plattformen im Zuge des Immer-mehr-Geldverdienens als Verschlimmscheißerung. Und die US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff bezeichnete die zunehmende Ausschlachtung von Daten als Überwachungskapitalismus.
Beide Entwicklungen kann man längst auch in der KI-Ökonomie beobachten. Erst kürzlich hat OpenAI Werbung in seinem Chatbot angekündigt. Offiziell, weil die für Nutzerinnen und Nutzer »nützlich« sein könnte. Aber fragt man grundsätzlich nach Onlinewerbung, fühlen sich Nutzer damit oft eher unwohl. Egal, was die Firmen behaupten: Sie bedeutet schlicht Verschlimmscheißerung.
Jetzt zeigt eine neue, noch ungeprüfte Studie, wie sich auch der Überwachungskapitalismus bei KI-Unternehmen Bahn bricht. Forscher des spanischen IMDEA Networks legen darin das Ausmaß dar, in dem KI-Firmen die Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer ausschlachten. Von sechs von neun Chatbots, die über das Web nutzbar sind, und drei von acht KI-Apps erhielten Drittanbieter Schnipsel wie Prompts oder den Kontext. In manchen Fällen wurden ganze Chatverläufe mit Drittanbietern geteilt.
Die Autoren kommen zu dem Schluss: Was die KI-Firmen machen, ist noch invasiver als das, was man bisher von Onlineplattformen kannte. Man könnte auch sagen: Der Überwachungskapitalismus hat sich verschlimmverscheißert.
Das könnten Sie ausprobieren: eine lokale KI auf dem Mac Mini installieren
Dass alles, was Sie mit Ihrem Chatbot besprechen, an die Firmen geht, lässt sich vermeiden. Zum Beispiel, indem Sie die KI auf Ihrem lokalen Rechner laufen lassen. Wie gut das funktioniert, hat unser Gadget-Tester vom Dienst, Henrik Oerding, ausprobiert.
Er hat zwei der beliebtesten Geräte für solche KI-Experimente ausgewählt: den Mac Mini und den Mac Studio. In seiner Anleitung erklärt er, wie man auf die quadratischen Kisten von Apple lokale KI-Assistenten bekommt. Und zwar Schritt für Schritt: ohne Internetzugriff, mit Internetzugriff (ab da verschenkt man natürlich auch wieder Daten), mit Agenten.
In der Redaktion attestierte ein Kollege diesem Text: »Das ist so nerdig, Henrik Oerding hat einen Pokal verdient!« Dieser Einschätzung kann ich mich uneingeschränkt anschließen.
