Tausende brasilianische Studierende haben im Zentrum von Rio de Janeiro gegen die mögliche Wahl des ultrarechten Kandidaten Flávio Bolsonaro zum Präsidenten protestiert. Der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro hatte in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl mehr Stimmen erhalten als der amtierende Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.
Die Demonstranten zogen durch die Innenstadt, schwenkten Transparente und riefen Slogans für Demokratie und die Souveränität Brasiliens. Sie verwiesen auf den Umgang der Bolsonaro-Familie mit der Corona-Pandemie und auf deren politische Nähe zu US-Präsident Donald Trump. Viele Demonstranten befürchten, ein Präsident Bolsonaro könnte Brasilien stärker an die USA binden und Minderheiten gefährden. »Wenn Bolsonaro gewinnt, wird Brasilien eine Kolonie der USA«, sagte der 20-jährige Student João Victor Vieira gegenüber der Nachrichtenagentur AP. »Wir werden Widerstand leisten.«
Weder Bolsonaro noch Lula erreichten im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit. Sie treten deshalb am 25. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an. Bolsonaro geht mit einem Vorsprung von rund zwei Millionen Stimmen in die zweite Runde. Zudem erhielten die dritt-, viert- und fünftplatzierten Kandidaten aus dem rechten politischen Lager zusammen mehr als acht Millionen Stimmen.
Gegen Flávio Bolsonaro wird wegen Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der gescheiterten Bank Banco Master ermittelt. Sein Vater Jair Bolsonaro wurde wegen eines Putschversuchs gegen Lula zu 27 Jahren Haft verurteilt wurde und steht unter Hausarrest.
