
Jüngste Andeutungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zum Abzug der amerikanischen Langstreckenbomber vom englischen Fliegerhorst Fairford nähren neue Spekulationen über iranische Anschlagspläne auf britischem Boden. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio, der sich wenige Stunden vor Trump in dieser Sache äußerte, stellte dagegen den Abzug der B-1-Bomber als eine militärische Routinemaßnahme dar. Vor zehn Tagen war ein mutmaßlicher Terrorakt in der Nachbarschaft des Militärflugplatzes vereitelt worden, sechs Verdächtige wurden vorübergehend festgenommen und verhört, der britische Premierminister Andrew Burnham gab an, die Regierung glaube, dass dabei „Iran eine Rolle spielt“.
Die in Fairford stationierten amerikanischen Bomber hatten von dem englischen RAF-Stützpunkt aus Einsätze gegen iranische Ziele geflogen. Schon Ende Juli hat die iranische Revolutionsgarde gedroht, dass Länder, welche die amerikanischen Attacken auf das Land unterstützten, „für die Folgen verantwortlich sind“. Teheran verwies auch darauf, dass Angriffe der amerikanischen Bomber vom englischen Fairford ausgingen.
Laut der Zeitung „New York Times“ erhielten amerikanische und britische Beamte am Wochenende neue Informationen über einen möglichen Drohnenangriff im Auftrag der Islamischen Revolutionsgarde. Demnach sei ein Angriff auf Fairford Teil eines „iranischen Komplotts“ gewesen, US-amerikanische Militärflugzeuge anzugreifen und Soldaten zu töten. Dem Bericht zufolge vermuteten einige Beamte, dass Teheran dabei einen ukrainischen Angriff auf russische Militärflugzeuge im vergangenen Jahr zum Vorbild hatte. Dabei waren Drohnen vom russischen Boden aus gestartet worden.
Geplante Anschläge während der jüdischen Feiertage
Während die amerikanische Regierung widersprüchliche Gründe für den hastigen Abzug nennt, besteht kein Zweifel darüber, dass die Bomberflotte am Sonntag über den Tag verteilt den Fliegerhorst verlassen hat. Die Internetseite britischer Luftfahrt-Enthusiasten, sogenannter „Planespotter“, verzeichnet den Abflug von zwölf Bombern in fünf Wellen. Sie führt in den vergangenen Wochen auch mehrfach Abflug- und Ankunftsmuster auf, die auf Einsatzflüge der Bomber schließen lassen.
Die Anti-Terror-Einheit der britischen Polizei setzt unterdessen ihre Ermittlungen wegen des mutmaßlichen Anschlagsversuchs fort, der in der Nacht zum Sonntag, dem 27. September, stattfand. Damals wurden nach der Alarmierung der Polizei durch eine Bäuerin und womöglich auch durch einen der mutmaßlichen Tatbeteiligten fünf Männer in der Ortschaft am Flugplatz festgenommen, die in drei weißen Lieferwagen unterwegs waren. Alle sind nach den Angaben der Ermittlungsbehörden „britische Staatsbürger“; ein später festgenommener 25 Jahre alter Mann hat laut den Behörden die britische und iranische Staatsbürgerschaft. Am Dienstag meldete die Polizei eine siebte Festnahme mit Bezug zu dem mutmaßlichen Anschlagsversuch.
Der Personenkreis der Verdächtigen repräsentiert ein Muster, das sich in den vergangenen Monaten schon häufiger bei Anschlägen zeigte, bei denen eine iranische Urheberschaft vermutet wird. Im vergangenen Frühjahr ereignete sich eine Serie von Anschlägen gegen jüdische Einrichtungen und jüdische Zufallsopfer in London, bei denen die ermittelten Täter gleichfalls die britische Staatsbürgerschaft hatten und pakistanischer oder arabischer Herkunft waren. Eine militante muslimische Gruppierung namens Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (HAYI) bezichtigte sich dieser Anschläge und Angriffe in weiteren europäischen Ländern. Nach Vermutungen britischer Nachrichtendienste ist die Gruppierung mit iranischen Geheimdiensten verbunden.
Norwegischer Teenager mit Mordauftrag
Für die bei diesen Terroraktivitäten eingesetzten Täter wird die Bezeichnung „Wegwerfagenten“ oder „Einmalagenten“ verwendet. Am vergangenen Freitag wurden zwei Iraner in London angeklagt, denen vorgeworfen wird, Terroranschlage während der jüdischen Feiertage in Manchester geplant zu haben. Beide waren vor einigen Jahren unabhängig voneinander als Bootsflüchtlinge illegal nach England gekommen, einer der beiden erlangte unterdessen Asylstatus, der andere nicht. Die Anklage wirft ihnen vor, Material zum Bau von Bomben gesammelt, mögliche Ziele identifiziert und ausgespäht zu haben. Es werde überdies angenommen, so die Polizei, dass die beiden Männer „mit einer ausländischen dritten Organisation, möglicherweise in Iran, in Zusammenhang mit dem Anschlag in Verbindung standen“.
Ein weiterer Fall wurde Ende Juli nach dem Urteil gegen einen 19 Jahre alten Norweger bekannt. Der Teenager reiste im Auftrag eines schwedischen Netzwerks der organisierten Kriminalität, das nach Angaben der Ermittlungsbehörden Verbindungen zu Iran unterhält, in den Norden Englands, um dort einen Mordauftrag auszuführen. Die Mordwaffe wurde für ihn in einem Waldgrundstück bei Huddersfield bereitgelegt. Das in Aussicht genommene Opfer konnte die Polizei nicht identifizieren; der Täter sollte für den Auftrag mit der Summe von 25.000 Euro entlohnt werden.
Nach einer mehrjährigen Untersuchung iranischer Geheimdienstaktivitäten im Vereinigten Königreich kam der Geheimdienstausschuss des britischen Unterhauses vor einem Jahr zu dem Schluss, Iran stelle „eine ständige, weitreichende und unberechenbare Bedrohung“ dar, auch wenn seine Fähigkeiten weniger strategisch entwickelt seien als jene Russlands oder Chinas. Der Inlandsgeheimdienst MI5 berichtete, im vergangenen Jahr seien „mehr als 20 potentiell tödliche von Iran unterstützte Anschlagspläne“ aufgedeckt worden.
Gewaltsame Attacken auf britische Militärstützpunkte sind im vergangenen Jahr auch von einem anderen Täterkreis ausgegangen. Im Juni 2025 unternahmen Aktivisten der Gruppierung „Palestine Action“ einen Anschlag auf den Royal-Air-Force-Stützpunkt Brize Norton. Dabei durchschnitten sie den Absperrzaun und besprühten die Triebwerke zweier Aufklärungsflugzeuge mit Farbe. Fünf britische Verdächtige, von denen einer einen muslimischen Hintergrund hat, sitzen seither in Untersuchungshaft, ihre Aktivisten-Gruppierung wird seitdem von der britischen Regierung als Terrororganisation eingestuft.
