
Rund 144.000 Mitarbeiter arbeiten in den deutschen tarifgebundenen Privatbanken. Und ginge es nach den Gewerkschaften, werden sie künftig deutlich mehr Geld im Portemonnaie haben. Die Gewerkschaft Verdi fordert sechs Prozent mehr Gehalt. Die kleinere Gewerkschaft, der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV), will 9,5 Prozent. Gleichwohl ist die Verdi-Forderung höher, denn die Dienstleistungsgewerkschaft zielt auf eine zwölfmonatige Laufzeit des neuen Tarifvertrags ab, während der DBV eine zweijährige Laufzeit akzeptieren würde.
Verdi-Gewerkschaftssekretär Jan Duscheck begründete die Höhe der Forderungen auch mit einem „Nachholbedarf“. In den inflationsträchtigen Jahren 2022 und 2023 hätten die Bankangestellten laut Verdi Reallohnverluste in der Größenordnung von 3,9 Prozent hinnehmen müssen. Das heißt, die Lohnerhöhungen lagen niedriger als die Teuerungsrate. Mit Blick auf die anstehende Tarifrunde sagte Duscheck: „Die Kaufkraft muss sich stabilisieren“, sagte er auch angesichts einer wieder steigenden Inflation.
Auch für übertariflich bezahlte Angestellte
Die Lohnerhöhungen sollen aber nicht nur den tarifgebundenen Angestellten, sondern auch jenen Mitarbeitern zugutekommen, die übertariflich bezahlt werden, fordert Verdi. Bisherige Erfahrungen zeigten, dass vereinbarte Erhöhungen gar nicht, nur zum Teil oder mit größerer zeitlicher Verzögerung weitergegeben würden, begründete Duscheck.
Der bisherige Tarifabschluss stammt aus dem Jahr 2024, damals stiegen die Gehälter um 10,5 Prozent, allerdings bei einer Laufzeit von 28 Monaten. Eine solche Länge möchte Verdi-Funktionär Frederik Werning beim anstehenden Tarifvertrag vermeiden. „Die Zeiten sind nach wie vor unsicher. Die Krisen sind noch nicht ausgestanden“, sagte er im Gespräch mit Journalisten.
Doch es geht den Gewerkschaften in der anstehenden Tarifrunde nicht nur um Geld. Bankangestellte sollen ihr Gehalt für bis zu 20 freie Tage im Jahr einsetzen können. Duscheck begründete dies auch mit Zeit für die Pflege von Familienangehörigen. Wegen Personalmangels geschlossene Filialen sieht der Gewerkschaftssekretär auch bei einer solchen Regelung nicht. „Im Postbank-Tarifvertrag gibt es das schon. Und es wird auch nicht jeder Angestellter 20 Tage in Anspruch nehmen.“
Die Postbank gehört zwar als Marke zur Deutschen Bank, hat aber aus historisch gewachsenen Gründen einen eigenen Tarifvertrag. Auch in der DZ Bank gibt es bereits ein sogenanntes „Zeit statt Geld“-Modell. Der DBV fordert den Anspruch, jährlich zehn freie Tage zu erkaufen.
Zusätzlich will die kleinere Gewerkschaft DBV aber auch drei Entlastungstage pro Quartal wegen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz (KI) durchsetzen. „Wo Arbeit dichter, komplexer oder verantwortungsvoller wird, braucht der Betrieb einen Ausgleich“, zitiert das „Handelsblatt“ Wolfgang Ermann, den DBV-Verhandlungsführer. Die Tarifverhandlungen starten am kommenden Donnerstag. Weitere Runden sind für den 2. und 23. November angesetzt.
