
Das offizielle Gedenken am Montag begann um 6.29 Uhr morgens – dem Zeitpunkt, zu dem am 7. Oktober 2023 die ersten Raketensalven auf Israel abgefeuert worden waren. Vor der Residenz von Präsident Izchak Herzog in Jerusalem wurde die israelische Flagge auf halbmast gesetzt. Dies markierte den Beginn des staatlichen Gedenktags, dessen Datum sich nach dem hebräischen Kalender bestimmt.
Im Zuge des Überraschungsangriffs der Hamas überquerten am 7. Oktober 2023 Tausende Kämpfer aus dem Gazastreifen die Grenze. Sie töteten etwa 1200 Zivilisten, Soldaten, Sicherheits- und Rettungskräfte. 251 Menschen und Leichen wurden in den Gazastreifen verschleppt. Etwa zwei Drittel kehrten lebend zurück, die letzten vor knapp einem Jahr. Der Terrorangriff löste den Gazakrieg aus, in dessen Verlauf Zehntausende Zivilisten getötet wurden.
Bei dem Staatsakt für die gefallenen Soldaten auf dem Jerusalemer Herzlberg erinnerte Herzog an die Opfer in Israel und an das Leid vieler Bürger. Zugleich beschwor er die Stärke und den Zusammenhalt der Israelis. Allerdings gebe es „grelle Warnsignale, die auf tiefe Spaltungen und gefährliche Gräben hindeuten“, sagte der Präsident unter Verweis auf den laufenden Wahlkampf.
Der Armeechef spricht von einer Pflicht zur Aufklärung
In der Militärbasis Zikim, die 2023 attackiert wurde, hielt der Generalstab eine Schweigeminute ab. Generalstabschef Eyal Zamir gestand in einer Rede ein, dass die Armee es an jenem Tag nicht geschafft habe, die Bürger zu schützen. Die militärischen Erfolge seither glichen dieses Versagen nicht aus. In einem Tagesbefehl hatte Zamir zuvor geäußert, es sei die „Pflicht“ der Armee, die Terrorattacke weiter zu untersuchen und die Lehren daraus umzusetzen.
Zamirs Äußerungen fielen vor einem anhaltenden Streit über die Aufarbeitung des 7. Oktober. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission bislang blockiert. Kritiker werfen ihm vor, politisch für das Sicherheitsversagen verantwortlich zu sein. Auch in einigen Veranstaltungen der nächsten Tage dürfte der Protest gegen die Regierung im Mittelpunkt stehen.
In seiner Rede während des Staatsakts pries Netanjahu Israels militärische Erfolge. Man werde weiter gegen Feinde wie die Hizbullah und Iran vorgehen, kündigte er an. Mit Blick auf die am 7. Oktober und an den Geiselnahmen beteiligten Personen sagte er, ihre Stunden seien gezählt – „wir werden sie kriegen“. Die Armee hat eine eigene Einheit gebildet, um die Beteiligten aufzuspüren und zu töten. Laut israelischen Medienberichten sind 4000 der 6000 Personen, die am 7. Oktober die Grenze überquerten, inzwischen tot.
