
Als „Gute Laune“-Wiesn hat die Stadt München das diesjährige Oktoberfest zusammengefasst. Ständebetreiber, Wirte und Polizei haben sich demnach sehr zufrieden mit dem Verlauf des größten Volksfestes der Welt gezeigt, das am Sonntag zu Ende gegangen ist. Dazu beigetragen hat auch das überwiegend sonnige Wetter auf dem 191. Oktoberfest, das mit einem Besucherrekord aufwartet: 7,4 Millionen Menschen haben in diesem Jahr die Wiesn besucht – so viele wie noch nie zuvor.
Der bisherige Besucherrekord lag bei 7,2 Millionen Besucher im Jahr 2023. „Damit ist die Wiesn 2026 die bislang meistbesuchte in ihrer langen Geschichte“, sagte Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) am Sonntag. Der überwiegende Teil der Besucher kam wie immer aus München oder dem Umland. Die meisten internationalen Gäste reisten aus den USA, Italien und Österreich an.
6,7 Millionen Maß Bier getrunken
Mehr Leute trinken auch mehr Bier – insgesamt wurden 6,7 Millionen Maß konsumiert, im vergangenen Jahr waren es 6,5 Millionen Maß Bier. Immer beliebter wird dabei die alkoholfreie Variante: Um 10,7 Prozent mehr wurde alkoholfreies Bier nachgefragt. Insgesamt stieg der Absatz von alkoholfreien Getränken um 10 Prozent.
Zudem wurden wieder mehr Hendl bestellt, deren Absatz in den letzten Jahren rückläufig war, auch vegetarische Angebote waren beliebt. Eine gute Nachricht gab es aus dem Bereich „Souvenirs“: Der Ansturm auf „Spaßhüte“, zum Beispiel klatschende Hendl, sei vorbei, teilte die Stadt mit. Dafür seien Trachtenhüte mehr gefragt. Kunden achten demnach bei Souvenirs inzwischen mehr auf Qualität.
Trotz der hohen Besucherzahl kam es durch das neue Sicherheitskonzept und die Besucherlenkung zu keiner Überfüllungslage auf der Wiesn. Die Stadt führt dies auf die neue Sicherheitszentrale, verbesserte Videoüberwachung und das „Crowd Spotting“ zurück. So habe man die Besucherströme noch genauer beobachten und auf Ansammlungen reagieren können – etwa mit kurzzeitigen Sperrungen der Haupteingänge.
Unfälle überschatteten das Oktoberfest
Doch das Fest hatte auch seine Schattenseiten: So wurde am Sonntag ein 47 Jahre alter Mitarbeiter an einer Schiffsschaukel so schwer verletzt, dass er reanimiert werden musste. Schon zu Beginn der Wiesn war ein 52 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter unter der Gondel eines Free-Fall-Towers eingeklemmt und tödlich verletzt worden. Zudem starb eine 90 Jahre alte Besucherin an den Folgen eines Unfalls auf der Oidn Wiesn: Sie hatte ein Kutschpferd gestreichelt, dabei verfing sich das Geschirr des Pferdes in ihrem Rollstuhl, sodass die Frau stürzte. Sie starb sechs Tage später an ihren Verletzungen.
Für die Polizei gab es zwar mit rund 1850 Einsätzen mehr Arbeit als 2025 (1598 Einsätze), doch dieser Anstieg war den gestiegenen Gästezahlen geschuldet. Rund 600 Polizisten waren auf dem Gelände im Einsatz. Als gute Nachricht meldete die Polizei, dass kein Tötungsdelikt verzeichnet wurde. Schwerpunkt der Delikte waren Rauschgiftverstöße. Die Sexualdelikte nahmen dieses Jahr zu: Es wurden 80 Taten registriert, 2025 waren es 72. Überwiegend handelte es sich um sexuelle Belästigungen. Bei fünf Delikten sah die Polizei den Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt. Die Polizei registrierte zudem acht Fälle von Upskirting, da Bildaufnahmen des Intimbereichs gefertigt wurden.
Taschendiebstähle nahmen zu
Es kam zu 237 Anzeigen wegen Körperverletzung. Die Zahl blieb jedoch im Vergleich zum Jahr davor (236 Delikte) fast unverändert – trotz der Zunahme an Besuchern. Gesunken ist die Anzahl der Eigentumsdiebstähle: Dieses Jahr wurden 159 Delikte registriert, 2025 waren es 170. In diesen Anzeigen sind jedoch auch die Taschendiebstähle enthalten, wovon 78 auf dem Festgelände festzustellen waren (2025 waren es 55). Die Taschendiebstähle auf dem Gelände haben also zugenommen. Insgesamt mussten Besucher rund 607.000 Euro an Sicherheitsleistungen hinterlegen.
Auch die Sanitätsstation der Aicher Ambulanz hatte aufgrund der hohen Besucherzahlen wieder viel zu tun: Die Zahl der Patienten nahm um 18,5 Prozent zu.
Kein richtiger Wiesn-Hit
Der Jugendschutz musste sich dieses Jahr um sechs verloren gegangene Kinder kümmern. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um Kinder, die von ihren Eltern oder Betreuungspersonen getrennt wurden. „Eine Zusammenführung aller Beteiligten konnte zeitnah erreicht werden.“
Was ausblieb, war offenbar ein richtiger Wiesn-Hit. Viel gespielt und verlangt wurden Klassiker wie „Country Roads“ oder auch als Neuzugang das Kinderlied „Gute Laune“ von Großstadt Engel.
Rund 4000 Fundsachen wurden dieses Jahr registriert. Die meisten Fundsachen waren Kleidungsstücke. Zudem wurden allein 700 Geldbeutel gefunden, 450 Ausweise, 250 Bankkarten, 400 Handys, 350 Brillen sowie 220 Schlüssel. Dazu kamen Taschen, Rucksäcke und Beutel. Es wurden 15 „hochwertige Schmuckstücke“ abgegeben und 12 Paar Schuhe. Auch kuriose Funde gab es: eine Knirschschiene, ein Geldbeutel mit 500 Euro und fünf Kreditkarten, ein Geldbeutel mit 18 Karten, eine Krücke sowie ein dicker Bildband über Tibet.
