Ein großes Erbe anzunehmen – dazu braucht man viel Mut und einen Transporter. Als Angelica Blechschmidt 2018 gestorben war, musste Kirsten Landwehr improvisieren, weil die Erbin Ordnung ins Chaos bringen wollte. „Wenn du die Fotos haben willst“, sagte die Erbin, „dann musst du nächste Woche kommen.“ Kirsten Landwehr mietete einen Van, fuhr von Berlin nach Potsdam, packte viele Kisten mit Zehntausenden Bildern ein und brachte sie in ihr privates Kunstlager. So war der fotografische Nachlass einer Frau gesichert, die wie niemand sonst in Deutschland im späten 20. Jahrhundert die internationale Modeszene im Blick und im Sucher hatte.
Nun waren die Fotos gesichert, gerettet, gespeichert. Trocken, kühl, dunkel gelagert. Und jetzt?
„Erst dachte ich: ruhen lassen“, sagt Kirsten Landwehr. „Dann kam die Pandemie, und wir hatten plötzlich Zeit.“ Also schaute sie sich die Bilder genauer an. „Als ich mit dem Instagram-Account begann, war ich verblüfft, wie schnell wir Follower bekamen.“ Andere, vor allem Modeleute, denen die Fashion Weeks wegfielen, hatten eben nun auch viel Zeit zum Schauen, was es neues Altes auf archive_angelica_blechschmidt gab. Der Account begann am 28. Februar 2020 mit einem Ausschnitt aus einer alten „Vogue“: „Flash! Die Fashion-Family inside. Schnappschuß-Comic aus Paris und Mailand, fotografiert von Angelica Blechschmidt“. Daneben ein Bild von ihr: „Vogue-Chefin mit ihrer Olympus“.
