Herr Rummel, am Montag beginnt die Expo Real in München, die größte Immobilienmesse Deutschlands. Reicht Ihnen das nicht, oder warum erweitern Sie die Messe um das Thema Infrastruktur?
Das ist die logische Weiterentwicklung: Immobilien und Infrastruktur wachsen zusammen. Kapitalgeber betrachten beides. Daher wächst auch der Bedarf nach gemeinsamen Gesprächsräumen. Das betrifft vor allem Energie, digitale Netze und Mobilität. In unserem Trendindex haben 71 Prozent der befragten Investoren, Entwickler und Finanzierer gesagt, dass die Infrastruktur für Immobilienprojekte stärker zu berücksichtigen ist.
Fangen Sie mit der Erweiterung sinkende Ausstellungsflächen auf?
Nein, die Ausstellungsfläche ist seit vielen Jahren stabil. Die Infrastrukturthemen werden wir zunächst als Sonderschau mit begleitendem Konferenzprogramm einbringen. Erst in den nächsten Jahren werden ausstellende Unternehmen die Ausstellungsfläche ergänzen. Aber für Immobilienunternehmen gehören schon jetzt Infrastrukturimmobilien wie Logistikhallen oder Rechenzentren zum Geschäft dazu, was sich auch an den Ständen zeigt.
Die Immobilienwirtschaft steckt weiter in der Krise. Geht damit die Zahl der Aussteller zurück?
Im Gegenteil: Die Zahl der Aussteller wird dieses Jahr um zwei Prozent auf rund 1780 Aussteller wachsen. Ebenso erwarten wir wieder rund 42.000 Besucher. Im ersten Halbjahr 2026 ist das Transaktionsvolumen für Immobilienkäufe in Deutschland um 13 Prozent auf mehr als 16 Milliarden Euro gestiegen. Gleichzeitig zeigt unser Trendindex, dass die Stimmung noch verhaltener ist als die Marktentwicklung.
Gerade im Wohnungsbau klagt die Branche über Bürokratie und hohe Baukosten. Immer wieder ist das Thema im Austausch mit der Politik, auch im Konferenzprogramm der Messe. Doch an den vielen Vorschriften ändert sich wenig, oder?

Das Besondere an der Expo Real ist auch die Präsenz vieler Politiker: Durch die städtischen Gemeinschaftsstände sind viele Oberbürgermeister, Landtagsabgeordnete und Landesminister da. Auch Bundesbauministerin Verena Hubertz kommt und diskutiert mit. Diese Verknüpfung zwischen Politik und Immobilienwirtschaft ist seit jeher ein Merkmal der Expo Real. Allerdings sind Baukosten direkt keine politische Entscheidung, es fließen unter anderem Grundstückspreise, Arbeitskosten und Kosten für Baumaterialien mit ein. Die Politik kann zum Beispiel über Genehmigungsverfahren und die richtigen Rahmenbedingungen nachdenken. Auch dafür dient die Diskussion auf der Messe. Das hilft hoffentlich dem Wohnungsbau. Denn bezahlbarer Wohnraum hat für unsere Gesellschaft enorme Bedeutung. Nach den Gesprächen geht jeder mit neuen Impulsen und Ideen nach Hause.
Bisher bleibt der Wohnungsbau hinter den Erwartungen zurück. Büros und Einzelhandel haben es auch schwer. Laufen damit andere Immobiliengeschäfte besser, wie Rechenzentren oder Logistikhallen?
Rechenzentren wachsen stark, auch weil Künstliche Intelligenz den Bedarf an Rechenleistung hochtreibt. In unserem Trendindex gaben 69 Prozent an, dass sie eine höhere Nachfrage erwarten. Aber oft entscheidet der Stromanschluss, ob ein Rechenzentrum überhaupt gebaut werden kann. Dem Wohnungsbau kann die Umwandlung von Büros helfen, da gibt es erste Initiativen, zum Beispiel in München. Serielles Bauen bietet auch viele Chancen. Auch wenn die Branchenstimmung geteilt sein wird, bieten sich auf der Messe die Möglichkeiten, sich über neue Geschäftsideen auszutauschen.
Die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland ist aber mau. Dafür wollen auch internationale Kapitalanleger in Immobilien investieren wie arabische Staatsfonds. Kommen mehr Aussteller aus dem Ausland?
Europa ist der größte Markt unter den Ausstellern. Allerdings nimmt auch bei anderen Messen die Zahl deutscher Aussteller ab, was internationale Kunden aber kompensieren. Wenn Europa und Deutschland für ausländische Investoren interessant sind, kommen diese auch zur Expo Real.
Das Veranstaltungsgeschäft stand mit der Corona-Pandemie im Aus, ist aber danach zurückgekehrt. Wie wichtig ist nun in digitalen Zeiten noch eine Immobilienmesse?
Je digitaler wir alle werden, je mehr Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, je mehr Videokonferenzen wir machen, desto wichtiger ist der persönliche Kontakt. Wenn es um hochtechnologische Produkte oder andere komplexe Fragestellungen wie Projektentwicklungen geht, sind Messen für Unternehmen genau richtig. Damit eine Messe aber erfolgreich ist, muss sie dem Geschäft unserer Kunden nutzen und mit digitalen Technologien sowie Erlebnissen verwoben sein. Wir haben seit mehreren Jahren immer wieder Rekordergebnisse als Messegesellschaft.
