Acht junge Männer in einer Stube, das braucht Disziplin. Vor allem wenn die Betten dicht an dicht stehen und im selben Zimmer gekocht wird. Von den herumliegenden Klamotten ganz zu schweigen. Die Saalburg macht das von Sonntag an deutlich. Denn dann gibt das Römerkastell im Taunus wieder den Blick in eine Mannschaftsstube frei, die gerade neu gestaltet worden ist. So entsteht ein Eindruck vom Alltag der Soldaten am Limes: Das Leben war offenbar karg, dabei aber nicht völlig ungemütlich – und notgedrungen auch ziemlich gesellig.
Als Erstes fällt der Blick auf die Stockbetten. Je vier Soldaten schliefen auf zwei Etagen unmittelbar nebeneinander. Der Platz dafür erscheint knapp, auch wenn der Durchschnittsrömer bloß 1,65 Meter groß war, wie Museumsdirektor Carsten Amrhein sagt. Immerhin waren die Originalbetten im Contubernium, wie die Mannschaftsstube auf Latein heißt, etwas länger. Als der Architekt Louis Jacobi und sein Sohn Heinrich das Kastell um 1900 wiederaufbauten, vertaten sie sich nämlich ein wenig mit den Maßen: Die Mannschaftsstuben sind ein bisschen zu schmal rekonstruiert. Damit für das Auge des Betrachters alles passt, hat das Museum die Bettlänge dazu ins Verhältnis gesetzt. Aber solche Details sind weniger wichtig als die Tatsache, dass das Leben der alten Römer auf der Saalburg dank der Rekonstrukteure von vor mehr als 100 Jahren lebendig wird.
Im Vorraum der Mannschaftsstube zeigt Amrhein auf eine Übersicht mit allen Gebäuden innerhalb der Mauern des Kastells. Rechts unten ist die Lagergasse mit zwei Centurien zu sehen. So heißen die länglichen Gebäude, in denen zur Römerzeit jeweils zehn Achtbettzimmer für die Soldaten lagen. Von dort brachen die Männer morgens zu ihren Diensten auf: Wache schieben, in einer Werkstatt arbeiten, an den Waffen üben. Auch um die Verwaltung des Kastells mussten sie sich kümmern.

Die Tagesration an Essen bekamen sie im Horreum, dem Speicher. Sie bestand vor allem aus Weizen, dazu Gemüse, Speck und Käse. Damit in die Stube zurückgekehrt, konnten die Männer aber nicht sofort loslegen mit dem Zubereiten. Erst galt es, den Herd aus Ziegeln und Lehm anzufeuern – und das Getreide mit der Handmühle zu mahlen. Dann buken sie Brot oder kochten Puls, einen Eintopf. Das Bad lag außerhalb der Kastellmauern, die Toilette zwar innerhalb, aber am anderen Ende.
Das Plakat mit der Übersicht der Saalburg, wie sie Anfang des dritten Jahrhunderts aussah, hängt im Vorraum der Mannschaftsstube. Während das Zimmer mit den Stockbetten hinter der Glasscheibe hell angestrahlt ist, sind die Wände des vorderen Raums schwarz – bis auf die neuen Tafeln mit Informationen. Das Licht ist gedimmt. Auch das gehört zum Konzept, das die Saalburg nun dem Publikum präsentiert: Das Exponat soll leuchten, nicht die Erklärung.
Die Stube hat das Museum schon 1995 eingerichtet, jetzt aber auch aufpoliert. Eine Mitarbeiterin habe tagelang die Helme und Rüstungen zum Glänzen gebracht, sagt der Direktor. Die Kettenhemden haben die Kollegen in einer Lösung gereinigt. Zur Ausstattung gehören auch Fußlappen, wie sie sich die Soldaten statt Strümpfen um die Beine schlangen, Lederschuhe, ein Schild und ein Signalhorn.
Wenn das Museum am Sonntag um elf Uhr öffnet, schließt das Personal mit dem originalgetreuen antiken Schlüssel auch die Mannschaftsbaracke erstmals wieder auf. Jeder kann dann hereinschauen, und auch die Führungen jeweils zur vollen Stunde machen dort Station. Außerdem kommen eine Römertruppe und ein Grünholzdrechsler, und um 15 Uhr gibt es ein Schwerttraining. Das Contubernium aber bleibt auch danach: Es ist eine Dauerausstellung.
