Die Superlative vorweg: Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg hat 1.200 Plätze und ist damit das größte Sprechtheater der Republik. Das Deutsche Theater in Berlin hingegen erhält die höchsten Subventionen aller Schauspielbühnen der Hauptstadt. Zwei Dickschiffe also, und beide haben sich Episches vorgenommen, jetzt zu Beginn der Spielzeit. In Hamburg hatte am Wochenende Fremde Sonne Premiere, eine achtstündige Marathondramatisierung des griechischen Großmythos um die Argonauten. Das Berliner Theater mag es ebenfalls unbescheiden: Deutscher Herbst von Christopher Rüping will ein Schicksalsstück über das deutsche Wesen sein, eine Collage aus Caspar David Friedrich, Hitler und der Sängerin Blümchen. Getragen werden beide Großdramen aber nicht von der monumentalen Geste, dem Stoff oder den teils brillanten Ensembles. Sondern, jedes auf seine Art, vom Auftritt einer Frau.
