
Die letzten 24 Stunden des amerikanischen Todeskandidaten Curtis Wilkie Beasley sind seit Wochen minutiös geplant. Am Montagabend, dem Abend vor der Hinrichtung, wird der verurteilte Mörder aus seiner Gefängniszelle im Florida State Prison in Raiford in den sogenannten Todeswacheraum neben dem Exekutionszimmer gebracht. Um einen Suizid zu verhindern, steht Beasley unter Beobachtung. Nur Verwandte, Anwälte oder der Gefängnisgeistliche dürfen ihn besuchen.
Das berühmte letzte Mahl wird der Siebenundsiebzigjährige voraussichtlich zu sich nehmen, während seine Verteidiger bei Floridas Oberstem Gerichtshof und dem Supreme Court der Vereinigten Staaten einen Aufschub der Hinrichtung beantragen. Im Exekutionszimmer treffen Gefängnismitarbeiter derweil die letzten Vorbereitungen zu Giftspritze und der mit Ledergurten versehenen Hinrichtungstrage.
Warum Beasley und nicht einem der anderen mehr als 230 Todeskandidaten in Florida am 29. September die Giftspritze gesetzt wird, weiß nur Gouverneur Ron DeSantis. Der Republikaner und Vertraute des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hatte den Hinrichtungsbefehl für den ehemaligen Bauarbeiter Ende August unterzeichnet. Wie in Florida üblich, entschied der Gouverneur allein über die Vollstreckung der Todesstrafe.
Beasley war vor fast 30 Jahren zum Tode verurteilt worden. Die Jury sah damals als erwiesen an, dass er seine Bekannte Carolyn Monfort in ihrem Haus in Dundee bei Orlando mit mehr als 15 Hammerschlägen tötete, bevor er mit 800 Dollar und ihrem Auto flüchtete. Bei seiner Festnahme einige Monate später entdeckten die Ermittler auf einem seiner Hemden Blutspuren, die Monfort zugeordnet werden konnten. Beasley streitet bis heute ab, die Zweiundsechzigjährige ermordet zu haben.
Florida hat 2026 bereits 15 Todeskandidaten hingerichtet
Vor Beasley wurden allein in diesem September schon zwei weitere Todeskandidaten in Florida hingerichtet. Seit Präsident Trump die Justizbehörden der einzelnen Bundesstaaten zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 zur „Wiederherstellung der Todesstrafe“ aufrief, lässt Gouverneur DeSantis mehr Todeskandidaten hinrichten als sämtliche Amtskollegen zusammen. Von den 28 Todesurteilen, die seit Beginn des Jahres in den Vereinigten Staaten vollstreckt wurden, fielen mehr als die Hälfte auf Florida. Beasley wird am Dienstag der sechzehnte verurteilte Mörder sein, dem in diesem Jahr in Raiford die Giftspritze gesetzt wird.
In Texas, in der Vergangenheit als hinrichtungsfreudig bekannt, traf es im Jahr 2026 laut dem Death Penalty Information Center (DPI) vergleichsweise wenige Todeskandidaten. Der Lone Star State schickte seit Januar sechs Menschen in das Exekutionszimmer in Huntsville.
Wie die im Jahr 1990 in Washington gegründete Organisation beobachtete, regt sich inzwischen Widerstand. „Gouverneur DeSantis gibt mit der Wahl, welcher Todeskandidat hingerichtet wird, immer wieder Rätsel auf. Er hat sich weder öffentlich zu seinen Auswahlkriterien geäußert noch eine Reihenfolge, beispielsweise nach der Zahl von Jahren im Todestrakt, festgelegt“, kritisiert das DPI. Laut der Organisation verbringen amerikanische Todeskandidaten durchschnittlich mehr als 20 Jahre im Todestrakt.
Ende Juli wurde der 80 Jahre alte Dominick Anthony Occhicone der älteste Straftäter, dem in Florida die Giftspritze gesetzt wurde. Nach der Ermordung der Eltern seiner früheren Freundin hatte er fast 38 Jahre im Todestrakt gesessen. Am selben Tag wie Occhicone wurde auch James Aren Duckett in Florida hingerichtet. Die Gründe für die selbst in dem Sunshine State seltene Doppelexekution ließ Gouverneur DeSantis damals wie gewohnt offen.
Steckt dahinter politischer Ehrgeiz?
Beobachter schließen nicht aus, dass der Hinrichtungseifer des Republikaners auf politischen Ehrgeiz zurückgeht. Nach zwei Amtszeiten verlässt der Jurist, der sich im Jahr 2024 um das Präsidentenamt bewarb, Anfang Januar die Gouverneursvilla in Tallahassee. Angeblich hofft der Achtundvierzigjährige auf einen Umzug nach Washington zur Regierung Trump.
Wie Gouverneur DeSantis in Florida gilt auch Trump auf Bundesebene als vollstreckungseifrig. Nach fast 17 Jahren ohne Hinrichtungen auf Bundesebene hatte der Präsident in den letzten sechs Monaten seiner ersten Amtszeit 13 Todesurteile umgesetzt. In den Stunden nach seinem Wiedereinzug in das Weiße Haus im Januar 2025 unterzeichnete er nicht nur das Dekret zu „restoring the death penalty“. Trump wies das Justizministerium auch an, häufiger Todesurteile zu fordern und gegen Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes vorzugehen, die die Todesstrafe einschränken.
Sein demokratischer Vorgänger Joe Biden hatte zuvor die Todesurteile von 37 Straftätern in lebenslange Haft umgewandelt. Nur drei Todeskandidaten – der Kirchenattentäter von Charleston, Dylann Roof, der Terrorist Dschochar Zarnajew und Robert Bowers, der den Anschlag auf die Synagoge Tree of Life in Pittsburgh verübte – warten in Bundesgefängnissen in Indiana und Colorado weiterhin auf die Vollstreckung.
Während ihre Anwälte die nach Todesurteilen üblichen Berufungsverfahren beantragen, feilt die Regierung Trump bereits an Hinrichtungsmethoden. Um zügig vollstrecken zu können, forderte das Justizministerium die Bundesgefängnisbehörde vor einigen Monaten auf, anstelle eines schonenderen Medikamentenmixes das Barbiturat Pentobarbital als alleiniges Präparat bei Giftspritzen einzusetzen. Auch Hinrichtungen durch Erschießungskommandos soll es auf Bundesebene wieder geben.
„Die frühere Regierung hat ihre Pflicht nicht erfüllt, das amerikanische Volk vor den gefährlichsten Verbrechern wie Terroristen sowie Kinder- und Polizistenmördern zu schützen“, ließ der Justizminister Todd Blanche wissen. „Unter Präsident Trump werden Gesetze wieder durchgesetzt und Opfer nicht aus den Augen verloren.“
