
Viele Politiker sprechen über Bürokratieabbau. Ausgerechnet bei der als zutiefst bürokratisch geltenden Finanzaufsicht Bafin ist man schon einen Schritt weiter. Nicht ohne Stolz berichtete Exekutivdirektor Nikolas Speer, dass man es den kleineren Instituten beim diesjährigen Stresstest deutlich einfacher gemacht.
Statt bislang fünf mussten sie nur noch drei Zinsszenarien simulieren. 40 bis 50 qualitative Fragen wurden gänzlich gestrichen. Der Aufsicht bekannte Daten mussten nicht erneut bekannt gegeben werden, und vor allem kleine, nicht komplexe Kreditinstitute, konnten eine Befreiung vom vollständigen Ausfüllen aller Erhebungsbögen in Anspruch nehmen. Davon profitierten über 500 kleine Banken und Sparkassen.
Damit geht die Bafin den richtigen Weg und beweist, dass die Ankündigungen von Bafin-Präsident Mark Branson nicht nur Worte sind, sondern dass die Finanzaufsicht auch Taten folgen lässt. Vor allem die Beantwortung der qualitativen Fragen stellte für kleinere Institute eine Herkulesaufgabe mit vielen, vielen Abstimmungsschleifen dar.
Regulierung darf kein Selbstzweck sein. Und ein Garant für unternehmerischen Erfolg ist sie schon einmal gar nicht. Insofern ist der Weg der Bafin durchaus ein Vorbild auch außerhalb der Finanzunternehmen. Viele Berichtspflichten erdrücken gerade kleine und mittelständische Unternehmen. Und der Beweis, dass weniger Berichtspflichten zu weniger Finanzstabilität führen, kann wohl nicht geführt werden. Dafür kennt die Bafin ihre „Pappenheimer“ auch ohne regelmäßige Stresstests gut genug.
