
Die Vereinbarung Trumps mit Dänemark und Grönland gibt den USA nichts, was sie nicht ohnehin schon hatten oder ohne Weiteres hätten bekommen können. Druck auszuüben, wäre nicht nötig gewesen, schon gar nicht die Drohung mit Militär und Annexion.
Trotzdem wird sich die ganze Geschichte jetzt nicht in Wohlgefallen auflösen. Erstens, weil auf Trumps Wort nichts zu geben ist, und nicht einmal auf seine Unterschrift. Niemand kann sagen, ob er seine verbale Aggression bei nächster Gelegenheit wieder aufnimmt oder gar noch weiter geht.
Seine Auffassung dazu hat er schon tags drauf in aller brutaler Offenheit wieder kundgetan: Dem Sieger gebührt die Beute. Ausgerechnet vor den UN; wäre man bei Trump nicht schon so abgestumpft, man wäre konsterniert. Noch zu Jahresbeginn wollte er Grönland unbedingt, und zwar „besitzen“, nicht bloß ein Stationierungsabkommen. Und bei diesem amerikanischen Präsidenten verschwimmt bei diesem Wort auch die Grenze zwischen den Interessen seines Landes und seiner privaten Besitzgier.
Was bleiben wird
Zweitens werden Folgen bleiben, auch wenn Trump in seiner verbleibenden Amtszeit nicht wieder einen Anlauf unternehmen sollte, die größte Insel der Welt als 51. Bundesstaat in die USA einzugliedern. Die NATO hat einen erschütternden Schlag abbekommen. Europa wird nicht so bald vergessen, dass es sich einmal mit dem Gedanken befassen musste, dass es sich nicht nur ohne den Beistand Amerikas verteidigen können muss, sondern womöglich sogar gegen es. Hoffentlich wird Europa auch nicht vergessen, dass es in dem Moment gar nicht so schwach war, in dem es zusammenstand.
Drittens war es zwar schockierend, auf welche Weise es geschah, aber es war ein heilsamer Schock für Europa, auf seine Interessen in der Arktis gestoßen worden zu sein. Und schließlich hat es auch für Grönland etwas Gutes. Erstmals hat man nicht nur über die Insel, sondern auch mit ihr verhandelt, erstmals steht eine Unterschrift aus Nuuk unter einem solchen Papier. Das sollte das Selbstbewusstsein dort heben.
Und wenn die Grönländer sich dereinst mit Dänemark über eine Selbständigkeit einigen sollten, dann wäre das für Europa zu akzeptieren. Dass es dazu bald kommt, dürfte aber nicht wahrscheinlicher geworden sein. Zwar steht diese Möglichkeit ausdrücklich in der Vereinbarung. Aber Trumps Drohungen haben den Befürwortern des Status quo ein paar Argumente an die Hand gegeben.
