Spanien hat in der Ceuta-Krise so deutlich wie nie Marokko kritisiert. „Es ist klar, dass die Grenzkontrolle des Landes versagt hat“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Rand der UN-Generalversammlung in New York in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN. Bisher hatte seine linke Minderheitsregierung immer die enge Zusammenarbeit beim Grenzschutz gelobt und Marokko vor Kritik der konservativen Opposition in Schutz genommen.
Neue spanische Geheimdienstberichte aus Afrika
Außenminister José Manuel Albares hatte zuvor seinen marokkanischen Amtskollegen aufgefordert, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. Das hatten beide Staaten zuletzt am 15. August getan, als schon mal in sozialen Medien zu einem weiteren massiven Grenzübertritt aufgerufen worden war. Jetzt entsandte Spanien mehrere Hundert zusätzliche Polizeibeamte, Marokko verstärkte die Sicherheitspräsenz im Grenzgebiet.
Zur spanischen Besorgnis hatten neue spanische Geheimdienstberichte aus Afrika beigetragen. Eine wachsende Zahl von Subsahara-Afrikanern unter der Führung von Sudanesen machte sich demnach auf den Weg nach Nordafrika, wie etwa der Sender Cadena Ser meldete. Am Mittwoch wurden laut Presseberichten mehrere afrikanische Migrantengruppen in den Hügeln in der Nähe der Grenze beobachtet, die sich Ceuta jedoch nicht näherten.
Spanien will permanente Barriere am Ufer errichten
Die spanische Regierung kündigte an, am Tarajal-Grenzübergang in Ceuta eine permanente Barriere zu errichten, die mehr als hundert Meter lang ins Meer und bis zum Boden reichen soll. Dafür sind laut dem Innenministerium Investitionen in Höhe von neun Millionen Euro vorgesehen. Die erst im August eingerichtete schwimmende Barriere hatte starker Wellengang beschädigt.
In Marokko waren die Sicherheitskräfte damit beschäftigt, die Parlamentswahl zu schützen, an der wie in den Jahren zuvor nur wenige Wähler teilnahmen. Im Vergleich zur letzten Wahl im Jahr 2021 hat die Zahl der registrierten Wähler um 1,7 Millionen abgenommen. Besonders junge Marokkaner bauen nicht auf ihr Land, obwohl sie mehr als ein Drittel der 26 Millionen Wahlberechtigten stellen. Im vergangenen Herbst war die „Generation Z“ in Marokko zu den größten Demonstrationen seit dem Arabischen Frühling 2011 auf die Straßen geströmt, worauf die Regierung Reformen versprochen hatte. Aber statt abzustimmen, wollen viele Marokko offenbar lieber verlassen; unter den Migranten in Ceuta stellten sie die Mehrheit. Nur vier Prozent der 18 bis 24 Jahre alten Marokkaner trugen sich in die Wahlregister ein.
Der Einfluss des Parlaments Marokkos, dessen Führung sich durch seine guten Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump in einer starken Position sieht, ist begrenzt. Der König hat politisch das letzte Wort. Mohammed VI. ernennt die wichtigsten Minister und den Regierungschef. Als Favorit galt schon Wochen vor der Wahl der bisherige Haushaltsminister und Präsident des Königlichen Marokkanischen Fußballverbands, Fouzi Lekjaa. Die marokkanische Regierung konzentriert sich auf das Jahr 2030. Dann richtet Marokko zusammen mit Spanien und Portugal die nächste Fußballweltmeisterschaft aus.
