
Die Polizei und die Staatsanwaltschaft in Mannheim haben eine Serie von Erpressungsdelikten und Brandstiftungen, die sich häufig gegen türkischstämmige Geschäftsleute gerichtet hatten, nach intensiver Ermittlungsarbeit aufgeklärt. Die Taten sollen von einer international agierenden kriminellen Organisation verübt worden sein. Die Täter nennen sich selbst „Daltons“ oder „Daltonlar“, in den Medien und der Öffentlichkeit werden sie häufig als „Gen-Z-Mafia“ bezeichnet, weil es sich zumeist um sehr junge Täter handelt, die von Hintermännern angeworben werden.
Seit März 2026 gab es im Großraum Mannheim viele Schutzgeldforderungen zum Nachteil türkischer oder türkischstämmiger Geschäftsleute. Die Täter forderten Zahlungen im fünf- bis siebenstelligen Bereich. Nach Aussagen der Ermittler wurden aber keine Zahlungen getätigt. Zur Aufklärung der Tatserie war im Polizeipräsidium Mannheim eine „Besondere Aufbauorganisation“ (BAO) eingerichtet worden.
Die Ermittler konnten nun insgesamt sechs Verdächtige festnehmen, dabei handelt es sich um einen türkischen, zwei afghanische, einen syrischen, einen deutsch-türkischen sowie einen pakistanischen Staatsangehörigen. Die Männer sind zwischen 18 und 29 Jahre alt. Für alle Verdächtigen, die in Mannheim, Frankfurt, Duisburg, Leipzig und Borna festgenommen wurden, liegen mittlerweile Haftbefehle vor. Die Tatvorwürfe reichen von besonders schwerer räuberischer Erpressung über versuchte schwere Brandstiftung bis zu illegalem Schusswaffenbesitz. Wegen des Vollzugs der Haftbefehle befinden sich derzeit alle Beschuldigten in unterschiedlichen Justizvollzugsanstalten.
Zwei größere Erpressungsversuche setzten die Ermittlungen in Gang
Ausgangspunkt für die Ermittlungen waren zwei größere Erpressungsversuche in Mannheim und in Worms: Am 18. Juni waren im Quartier T1 in der Mannheimer Innenstadt auf Mitarbeiter eines Schnellimbisses Schüsse abgegeben worden. Ein syrischer Staatsangehöriger konnte nach dem Anschlag festgenommen werden. Ende April war dann in Worms ein Wohn- und Gewerbegebäude angezündet worden, ein Bewohner konnte gerade noch gerettet werden. Vier Monate später wurde ein 29 Jahre alter Tatverdächtige im sächsischen Borna festgenommen. Im Vorfeld dieser Anschläge soll es Schutzgeldforderungen gegeben haben. Weitere Schussabgaben und Brandstiftungen, die von dieser Tätergruppe zu verantworten sind, gab es in Rottweil, in Mannheim in der Mittelstraße und im Quartier R1 sowie im Stadtteil Neckarau.
Die Staatsanwaltschaft Mannheim und das Polizeipräsidium Mannheim weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich Schutzgelderpressungen dieser Art nach bisherigen Erkenntnissen schwerpunktmäßig gegen bargeldintensive Branchen wie das Gaststättengewerbe, Barbershops oder den Autohandel richten.
