
Es ist inzwischen ein Muster, dass Donald Trumps architektonische Vorzeigeprojekte in Washington sich nach einiger Zeit als angeblich unverzichtbare militärische Strukturen erweisen. Beim Ballsaal am Weißen Haus gehe es nicht um Prunk, sondern angesichts der unterirdischen Bunkerstrukturen um die nationale Sicherheit, hieß es im Sommer plötzlich. Gleiches soll nun für den Triumphbogen gelten, den der amerikanische Präsident 76 Meter hoch auf einem Verkehrskreisel vor dem Arlington-Nationalfriedhof errichten lassen will.
Es werde eine Einrichtung, wie es sie „nirgendwo sonst auf der Welt gibt“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Das ist wahrscheinlich. Der Triumphbogen soll dreimal so hoch wie das Brandenburger Tor werden. Ein Bau aus weißem Granit und mit einer goldenen geflügelten Figur an der Spitze, die der Freiheitsstatue ähnelt. Nun soll er auch einen „hochmodernen Militärkomplex“ beherbergen – auf „dringende Bitte“ des amerikanischen Militärs, wie Trump behauptete.
Vorgesehen ist demnach die Lagerung einer großen Anzahl Drohnen und ein möglicher schneller Einsatz von Drohnen und Scharfschützen „vom Dach und dem umliegenden Platz“. Außerdem sollten „große Mengen an Scharfschützenmunition“ dort aufbewahrt werden. Innenminister Doug Burgum hatte in einem Beitrag auf X Anfang September schon von einer „militärischen Beobachtungsplattform“ geschrieben, als er ankündigte, dass in den nächsten zwei Wochen die ersten Aushubarbeiten beginnen sollen.
Der neue Plan kommt mitten im Rechtsstreit auf
Der ursprüngliche Plan sah oben auf dem Bogen zwei Aussichtsplattformen für Besucher vor. Von der leitenden Architekturfirma hieß es dazu, das Bauwerk werde den Fußgängern „wieder den Vorrang geben“. Es biete ihnen im Gegensatz zu der von Autos verstopften Brücke am Fuße des Triumphbogens einen Ausblick auf die Stadt und ihre Denkmäler. Dass der Öffentlichkeit der Zutritt zu einem Militärkomplex erlaubt wäre, ist aber unwahrscheinlich.
Trumps Vorstoß kommt, wie schon im Falle des Ballsaals, inmitten eines Rechtsstreits um den Bau des Triumphbogens. Der Präsident hatte bislang argumentiert, alle anderen „großen Nationen“ hätten ein solches Bauwerk, nur die Vereinigten Staaten nicht. Angesichts der 250-Jahr-Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit soll er 250 Fuß hoch werden. Danach gefragt, für wen der Bogen sei, hatte Trump im Frühjahr noch gesagt: „mich“. Nun ist die Rede von der nationalen Sicherheit.
Eine Gruppe von Vietnamveteranen und ein Architekturhistoriker haben gegen das Projekt geklagt. Sie empfinden den Triumphbogen in der Sichtachse des Nationalfriedhofs als unangemessen und führen ein vom Kongress 2002 verabschiedetes Gesetz an, das neue Bauvorhaben auf öffentlichem Bundesgelände ohne ausdrückliche Genehmigung des Kongresses verbietet. Anfang September ordnete eine Washingtoner Bezirksrichterin an, die Regierung müsse das Gericht 48 Stunden vor jeglichen Baumaßnahmen für den Bogen informieren. Offiziell sind die ohnehin noch nicht bewilligt, auch wenn im November mit einer finalen Genehmigung der „National Capital Planning Commission“ gerechnet wird. Die wiederum ist mit Trump nahestehenden Personen besetzt worden.
Die Kläger werfen Trump vor, er wolle ein „offensichtlich rechtswidriges“ Projekt mit dem Verweis auf die nationale Sicherheit rechtfertigen. Wie sehr der Triumphbogen das Stadtbild veränderte, zeigte eine Analyse des „National Park Service“. Demnach beeinflusste die außerordentliche Höhe des Baus vierzig historische Orte und Stadtbezirke negativ.
So verschwindet unter anderem eine Sichtachse, die Historikern als Symbol der nationalen Versöhnung gilt. Der Blick vom Denkmal Präsident Abraham Lincolns, der die Vereinigten Staaten im Bürgerkrieg zusammenhielt, reicht bislang bis zum Arlington House auf dem Friedhofsgelände, das der frühere Wohnsitz des Südstaatengenerals Robert E. Lee war. In Zukunft würde er von Trumps Militär-Triumphbogen verdeckt.
