
Slawomir Krupa setzt den beherzten Umbau von Société Générale fort. Auf einem Kapitalmarkttag präsentierte der Vorstandsvorsitzende der französischen Großbank am Montag einen neuen dreijährigen Strategieplan. Dieser vereint die Fortsetzung von Kostensenkungen mit organischem Wachstum, vor allem im Digitalgeschäft. Die Kostenbasis soll bis Ende 2029 um weitere zwei Prozent, die Aufwand-Ertrags-Quote von derzeit rund 60 auf 55 Prozent sinken. Die Eigenkapitalrendite soll von etwas mehr als elf auf 13 bis 14 Prozent zulegen. Für den Zeitraum von 2030 an verspricht Frankreichs nach Bilanzsumme viertgrößte Bank gar mehr als 15 Prozent.
Das Thema Kapitalmarkttag war bei Krupa bislang nicht positiv behaftet. Bei der Veranstaltung vor drei Jahren konnte der im Mai 2023 mit der Mission zum Umbau ins Amt gekommene Franko-Pole die Investoren nicht überzeugen. Der Aktienkurs sackte an einem Tag mehr als zwölf Prozent ab und zeigte auch die Monate darauf nicht nach oben. Krupa mied erst einmal für längere Zeit die Öffentlichkeit. Beim diesjährigen Kapitalmarkttag fiel die Reaktion anders aus: Der Kurs der Société-Générale-Aktie legte bis Montagnachmittag um rund drei Prozent zu. Das passt zum allgemeinen Aufwärtstrend, den die Bank seit Anfang 2025 an der Börse verzeichnet.
Zur Freude der Investoren hat Krupa die Kapitalbasis gestärkt, die Kosten gesenkt und die Rentabilität verdoppelt. Der Aktienkurs hat sich seit Anfang 2025 rund verdreifacht. Eine im Branchenvergleich großzügige Ausschüttungspolitik soll nun sicherstellen, dass der Aufwärtstrend anhält. Verteilt auf Dividenden und Aktienrückkäufe gebe es in den kommenden drei Jahren eine reguläre Ausschüttungsquote von 50 Prozent des Nettogewinns, erklärte Société Générale am Montag. Auch wolle man eine Zwischendividende zahlen und überschüssiges regulatorisches Eigenkapital ausschütten. Mehr als 21 Milliarden Euro könnten den Aktionären so in Summe bis Ende 2029 zufließen.
Enorme Wachstumschancen
Dass das Digitalgeschäft einen wichtigen Platz einnimmt in Krupas Strategie, überrascht nicht. Schon heute gehört Société Générale mit Boursobank Frankreichs größte Direktbank. Sie wurde 2015 in den Konzern einverleibt. Doch der Konkurrenzdruck steigt, vor allem durch Revolut. Die britische Digitalbank hat in Frankreich im August eine Banklizenz erhalten und als Verwaltungsratschef ihres Westeuropa-Geschäfts vergangenes Jahr Krupas langjährigen Vorgänger rekrutiert, Frédéric Oudéa. Revolut hat in Frankreich derzeit rund acht, Boursobank neun Millionen Kunden. Laut dem neuen Strategieplan sollen es bis Ende 2029 mehr als 14 Millionen sein.
Die Wachstumschancen im Digitalgeschäft seien enorm, hatte Krupa schon im Juni im Gespräch mit der F.A.Z. betont. Dabei attestierte er der Boursobank gar das Potential, 25 Millionen Kunden zu erreichen. Der Geschäftsbereich gilt als hochprofitabel: Während das französische Privatkundengeschäft von Société Générale nach F.A.Z.-Informationen zuletzt auf eine Eigenkapitalrendite von etwas mehr als zehn Prozent kam, erreichte die Boursobank stattliche 65 Prozent.
Die finanzpolitische Instabilität lastet auf den Aktienkursen der französischen Großbanken
Im neuen Strategieplan ist für die Direktbank von einer jährlichen Rendite auf das normative Eigenkapital von mehr als 45 Prozent die Rede. Das von ihr verwaltete Vermögen soll Ende 2029 rund 115 Milliarden Euro betragen. Die Boursobank soll in Frankreich zudem besser mit dem klassischen Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung verzahnt werden. Man werde „einen stärker integrierten Ansatz für den französischen Privatkundenmarkt entwickeln“, erklärte die Bank.
Von Vorteil ist es für Société Générale derzeit gleichwohl nicht unbedingt, in Frankreich beheimatet zu sein. Die politische und insbesondere finanzpolitische Instabilität lastet auf den Aktienkursen der Großbanken. Die Institute gelten als Indikator für die wirtschaftliche Lage und halten große Bestände an französischen Staatsanleihen – die inzwischen rund 100 Basispunkte höher rentieren als die Bundesanleihe, der höchste Stand seit der Eurokrise.
Die Aktienkurse französischer Banken seien im vergangenen Monat im Durchschnitt um acht Prozentpunkte hinter dem Index der 600 größten europäischen Banken zurückgeblieben, schrieben die Analysten der Royal Bank of Canada schon vor anderthalb Wochen. Bei BNP Paribas Wealth Management konstatierte man die „Rückkehr des Frankreich-Abschlags“.
