Der Traum von Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland lebt wieder. Die Städte Berlin und München sowie Köln mit der Region Rhein-Ruhr bewerben sich um das deutsche Angebot für die Spiele der Jahre 2036, 2040 oder 2044. Darüber entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September 2026.
Dafür muss in den drei Städten noch gebaut werden. „KölnRheinRuhr“ verfügt schon über eine nahezu vollständige Ausstattung an olympiatauglichen Sportarenen. Nur ein Leichtathletikstadion für 50.000 Besucher und das olympische und paralympische Dorf müssten noch errichtet werden. Ein konkurrierendes Verfahren zur städtebaulichen Konzeption des Leichtathletikstadions nebst dem Dorf hatte schon während der Corona-Zeit stattgefunden. Ein solches Stadion in dieser Größe würde allerdings aus heutiger Sicht nach den Spielen nicht mehr benötigt werden.

Die imposante Geschichte antiker Sportbauten liefert dafür Vorbilder: Schon die aus der Antike stammenden, nicht mehr benötigten Arenen wurden im Mittelmeerraum unter Verwendung des gleichen Baumaterials um- und weitergebaut. Berühmte und beeindruckende Zeugnisse sind etwa die Piazza dell’Anfiteatro in Lucca oder die Piazza Navona in Rom. Aus Sportbauten wurden zentrale und identitätsprägende Orte der Stadt. Hier sind bis heute Handel, Gastronomie und Wohnen miteinander verknüpft.
Olympische und Paralympische Spiele als Motor der Stadtentwicklung

Rund um das Stadion entstehen Wohnungen, Läden, Büros und die erforderliche soziale Infrastruktur. Das ehemalige Sportfeld wird in einen öffentlichen Park umgewidmet. Innovative Lösungen zum klimagerechten Bauen und der richtige Umgang mit wertvollem Regenwasser sind dafür wichtig.

Die notwendigerweise für Besucher und die olympische und paralympische Infrastruktur freigehaltenen, direkt benachbarten Flächen bieten danach Platz für die benötigten weiteren Baufelder, um den Stadtteil vollenden zu können. In Verbindung mit den Olympischen und Paralympischen Spielen entsteht ein Referenzprojekt für nachhaltige und resiliente Stadtentwicklung und Architektur. Für die in der Vergangenheit oft nicht weiter nutzbaren Sportbauten wird eine Perspektive unter Berücksichtigung der Kreislaufwirtschaft geboten. „Weiße Elefanten“ soll „KölnRheinRuhr“ auf keinen Fall hinterlassen.
Private Investoren können durch den Wohnungsbau einsteigen
Auch finanziell bietet das Konzept Vorteile. Für die Spiele müssen fast keine zusätzlichen Straßen und technischen Infrastrukturen gebaut werden. Alle Aufwendungen dienen dem späteren Stadtteil. Die Finanzierung des Stadions kann unter Beteiligung privater und institutioneller Investoren erfolgen, da sie die Betreiber oder Eigentümer der zukünftigen Nutzungen sein werden.

Alle Investitionen und alle Bautätigkeiten orientieren sich an den Erfordernissen des künftigen Stadtteils. Neu errichtete Schulen und Kindergärten werden beispielsweise während der Spiele als temporäre medizinische Betreuungseinrichtungen oder gastronomische Einrichtungen für die Sportler genutzt.
Den Olympioniken bietet ein neuer Stadtteil Kreuzfeld in Köln einen Ort für internationale Begegnungen und ein gemeinsames Erlebnis. Mit zahlreichen Grünflächen und Sportangeboten für Jugendliche soll mehr Raum für Bewegung und Sport entstehen. Die mehr als 2000 Jahre alte Domstadt Köln mit römischer Vergangenheit würde mit diesem Konzept ein positives Erbe hinterlassen.
Berlin, München und Köln müssen auf das Planungsrecht achten
Um das Stadion mitsamt dem olympischen und paralympischen Dorf und der benötigten Infrastruktur errichten zu können, müsste rechtzeitig das erforderliche Baurecht geschaffen werden. Auch Berlin und München, die beiden anderen noch verbliebenen Bewerber um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele, müssen diese planungsrechtlichen Bedingungen erfüllen.

Um den Bau zu beschleunigen, bietet sich eine Privilegierung der olympischen und paralympischen Spielstätten und Unterkünfte im Baugesetzbuch an. Solche Sonderregeln halfen schon der Entwicklung Berlins als Hauptstadt und dem Bau von Windenergieanlagen an Land. Als Vorbild für Beschleunigungseffekte könnte auch das im Sommer auf den Weg gebrachte Infrastruktur-Zukunftsgesetz dienen, das die Planungs- und Genehmigungsverfahren im Schienen- und Straßenbau forcieren soll.
Seit einigen Jahren arbeitet die Stadt Köln an der Planung des neuen Stadtteils Kreuzfeld und hat erste Planungsschritte vollzogen. Die S-Bahn-Station Blumenberg ist in Betrieb und müsste lediglich im Detail noch optimiert werden. Hierdurch sollte es gelingen, rechtzeitig nach dem erhofften Zuschlag durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Jahr 2029 das erforderliche Planungs- und Baurecht für Dorf und Stadion zu schaffen, sodass anschließend noch genügend Zeit für die Vergabe- und Bauphase verbleibt.
Auf diese Weise könnten bei Olympischen und Paralympischen Spielen der Jahre ab 2036 in Köln Antike und Moderne aufeinandertreffen: Die Idee des fairen sportlichen Wettkampfs im Rahmen eines Festes der Völkerverständigung träfe dort auf eine von der römischen Stadtentwicklung abgeleitete, nachhaltig gedachte Spielstätte. Ein von der Antike inspiriertes Stadion am Rhein würde nach den Spielen zur Keimzelle einer Quartiersentwicklung. Die antike olympische Idee, durch den Sport eine friedliche und bessere Welt zu schaffen, wäre damit um den Bau neuen Wohnraums angereichert.
Herbert Elfers ist Architekt und Geschäftsführer des Büros Planquadrat in Darmstadt und begleitet die Bewerbung „KölnRheinRuhr“ als Planer. Thomas Schröer ist Fachanwalt für Verwaltungsrecht und Geschäftsführer der FPS-Rechtsanwaltsgesellschaft in Frankfurt.
