
Überraschende Wende: Der Rundfunkrat der Deutschen Welle (DW) hat am Freitag einstimmig die Fortführung des griechischen Programms beschlossen. Damit ist die am 18. Februar – und damit vor genau sieben Monaten – vom selben Gremium beschlossene Einstellung des griechischen Dienstes zum 1. Januar 2027 vom Tisch.
Darüber berichteten zunächst griechische Medien übereinstimmend. Nach F.A.Z.-Informationen erfolgte die einstimmige Entscheidung auf Initiative der DW-Leitung. In einer am Sonntag verbreiteten Pressemitteilung bestätigt der Rundfunkrat die Nachricht: „Der Rundfunkrat hat beschlossen, das griechischsprachige Angebot der DW ab dem 1. Januar 2027 in reduzierter Form fortzuführen. Die DW bewertet ihre sprachliche Vielfalt als wichtigen Bestandteil ihrer internationalen Wirkung und sieht im griechischsprachigen Angebot weiterhin einen bedeutenden Beitrag zur weltweiten Vermittlung deutscher und europäischer Perspektiven“, heißt es.
Am 18. Februar hatten Verwaltungsrat und Rundfunkrat gemeinsam beschlossen, dass der Auslandssender seine Griechisch-Redaktion im Rahmen eines neuen Sparplans zum 1. Januar abschaffen wird. Auch in anderen Sprachen werde „das journalistische Portfolio reduziert“. Doch lediglich die Griechisch-Redaktion wäre als einziges der insgesamt 32 DW-Fremdsprachenprogramme dem Rotstift komplett zum Opfer gefallen.
Für den griechischen Dienst sind 22 Journalisten tätig. Sie produzieren täglich für TV, Radio und Web. Nach F.A.Z.-Informationen beträgt der Gesamtetat der Redaktion für 2026 knapp 700.000 Euro. Dies ist nur ein Bruchteil des Gesamtbetrages von 21 Millionen Euro, den die DW einzusparen hat, nachdem der Bundeszuschuss im Haushalt 2026 um zehn Millionen Euro auf 415 Millionen Euro gekürzt wurde und ein Mehraufwand von elf Millionen Euro „wegen moderater Tarifsteigerungen aus dem bestehenden Tarifabschluss“ zu kompensieren ist. Finanziert wird die DW aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).
Der 1964 gegründete griechische Dienst der DW gilt seit Sendebeginn als seriöse Stimme mit Gewicht in gleich zwei Ländern, Hellas und Zypern, sowie in der großen griechischen Diaspora in aller Welt. Gegen die Schließung hatte sich ein breiter Widerstand in Griechenland, Zypern und Deutschland formiert. Nach F.A.Z.-Informationen hat sich der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) wiederholt bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für den Erhalt des griechischen Dienstes starkgemacht.
Post hatten auch fünf CDU-Bundestagsabgeordnete, darunter Gunther Krichbaum, Staatsminister für Europa im Außenministerium, sowie Ottilie Klein, Vorsitzende der Arbeitsgruppe für Kultur und Medien in der Unionsfraktion, aus Athen erhalten. „Mit großer Besorgnis“ sei der Brief geschrieben. „Wir bitten Sie, diese Entscheidung politisch zu überdenken und sich für den Erhalt einzusetzen“, heißt es darin. Unterzeichner sind Abgeordnete der Regierungspartei ND, der zypriotischen DISY-Partei sowie Marian Wendt, damaliger Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) für Griechenland und Zypern in Athen. Sowohl die ND als auch DISY sind Schwesterparteien der CDU.
„Gefahr, populistischen Kräften Argumentationsraum zu eröffnen“
Ferner war in der Causa online eine Petition im Deutschen Bundestag eingereicht worden. Sie forderte den Erhalt der Griechisch-Redaktion. Zur Begründung heißt es darin: „Eine vollständige Schließung des Programms birgt die Gefahr, populistischen Kräften in der Region zusätzlichen Argumentationsraum zu eröffnen, wonach Deutschland den Anliegen Griechenlands nicht die gebotene Aufmerksamkeit schenke. Ein solches Signal sollte unbedingt vermieden werden.“
Obendrein hatten Politiker, Medien, die Deutsch-Hellenische Wirtschaftsvereinigung, die Hellenische Gemeinde Berlin und der Verein Griechischer Akademiker in Frankfurt ihr Unverständnis bekundet. Staatsminister Wolfram Weimer erhielt zudem eine von rund 400 Wissenschaftlern, Intellektuellen, Olympiasiegern, Künstlern und Organisationen unterzeichnete Erklärung zur Fortsetzung des griechischen Dienstes der DW. Die Unterzeichner weisen darauf hin, dass das griechische DW-Programm seit seiner Gründung für sachlichen Journalismus in einer Zeit voller Propaganda und Falschnachrichten stehe.
Am Freitag in der Früh – und damit kurz vor der Sitzung des Rundfunkrats – hatte der Vorstand der Athener Journalistengewerkschaft ESIEA die Deutsche Welle dazu aufgerufen, die Entscheidung, ihren griechischsprachigen Dienst einzustellen, zurückzunehmen. Darin betonte die ESIEA, dass der griechischsprachige Dienst einen „historischen Kanal der Kommunikation und des gegenseitigen Verständnisses zwischen Griechenland und Deutschland“ darstelle, der „maßgeblich zur Information der griechischen Öffentlichkeit und zur Pflege der Beziehungen zwischen den beiden Ländern beiträgt“.
