
Noch 18 Folgen. Mit der fünften Staffel von „Abbott Elementary“ wird ein sorgsamer Umgang gepflegt. Janine, die junge Lehrerin an einer Grundschule in Philadelphia, wird mitsamt ihrem Kollegium schließlich noch gebraucht. Nicht bloß von ihren Schülern in dieser armen Ecke des Schuldistrikts, in dem fast ausschließlich schwarze Kinder mit Bildung und Aufstiegschancen zu versorgen sind, sondern auch von ihrem deutschen Zuschauer, der völlig anders lebt, dem das Weltgebäude aber langsam ebenso kaputt vorkommt wie das stetig vor sich hin bröckelnde Schulgebäude in Frankfurts amerikanischer Partnerstadt.
Gesperrt werden musste die Abbott Elementary immerhin noch nicht – anders als die Frankfurter IGS Süd. Aber überall fehlt das Geld. Für Lehrmittel, Ausflüge und Sportausrüstung, eine Renovierung und die im heißen Ostküsten-Sommer nötige Klimaanlage. Janine ist da mit ihrem ewigen Optimismus, den die Macher der als Mockumentary angelegten Sitcom ständig ins Lächerliche ziehen, genau das richtige Gegenmittel. Auch wenn ihre Kollegen hinter ihrem Rücken mit den Augen rollen.
Fünf Staffeln lang hat die Serie, die 2021 auf ABC Premiere hatte und in Deutschland auf Disney+ gestreamt wird, Janine dabei beobachtet, wie sie niemals aufgibt und den Glauben an das Gute nicht verliert. Auch wenn sie manchmal unsicher in die Kamera zu schauen scheint, die dem Lehrpersonal durch den Schultag folgt. Aber davon lässt sich jemand wie sie nicht aufhalten, ebenso wenig wie Quinta Brunson, die als Schauspielerin die Hauptrolle spielt, sich die Serie ausgedacht hat und Drehbücher schreibt.
Go Eagles! Go Abbott!
Sie kam in Philadelphia zur Welt, ihre Mutter war Lehrerin, sie kennt sich aus. Und Frankfurter lernen nebenbei viel über die Stadt zwischen Delaware und Schuylkill River, vom Philly Cheesesteak, dem dortigen Gegenstück zum Döner, bis zum Football und den Philadelphia Eagles, deren Spieler immer wieder Gastauftritte in „Abbott Elementary“ hatten.
Unterstützt wird Brunson von einem wunderbaren Ensemble, das Folge für Folge glänzen darf, von Tyler James Williams als perfektionistischem Aushilfslehrer Greg, der sich zu seinem Glück in Janine verliebt, über Sheryl Lee Ralph und Lisa Ann Walter als ältere Kolleginnen Barb und Melissa bis zu Janelle James als Direktorin Ava. Am Werk sind großartige Komödianten mit einem goldenen Händchen für die Doppelbödigkeit des Mockumentary-Formats und viel Tiefgang für die Momente, in denen hinter dem Witz der Serie und der tapfer gutgelaunten Fassade, die die Lehrer im Kampf gegen den Alltag aufrechterhalten, Sorgen, Kummer und Verwundbarkeiten zum Vorschein kommen.
Zum Glück geht es weiter. In den Vereinigten Staaten beginnt die Ausstrahlung der sechsten Staffel Anfang Oktober. Der Nachschub ist über Disney+ also auch in Deutschland garantiert. Bis dahin wird es allerdings noch mindestens ein Jahr dauern, denn die App liebt es, ihre Nutzer mit langen Wartezeiten zu quälen. So lange halten die 18 Vorrats-Folgen auf keinen Fall. Aber das Warten gehört zum Dasein als Serienfan ja so unverrückbar dazu wie zu Schulzeiten das auf die Sommerferien.
Wenn in den Klassen, auf den Fluren und im Lehrerzimmer der Abbott Elementary also alles schiefgeht, dann aber doch halbwegs gut endet, ist das genau der richtige Abschluss eines deutschen Tages, dem unweigerlich ein Morgen mit schlechten Nachrichten folgt. Und der Idealismus, die Warmherzigkeit und der trockene Humor der Serie sind genau das, was man aus Amerika lange gewohnt war, aber derzeit nur spärlich geliefert bekommt. Go Eagles! Go Abbott!
