
Die Vereinten Nationen warnen vor einem weiteren Rückgang der weltweiten Wasserreserven. Die Gesamtmenge des Süßwassers, das in Grundwasser, Seen, Flüssen, Böden, Eis und Schnee gespeichert ist, schrumpft weiter, heißt es im neuen Bericht der Weltorganisation für Meteorologie, kurz WMO. Gleichzeitig wird der Wasserkreislauf unberechenbarer. Er schwanke zwischen zu wenig und zu viel Wasser.
Besorgt ist WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo über den Verlust der langfristigen Reserven wie Grundwasser und Gletscher. Diese natürlichen Speicher konnten einzelne Dürren oder Trockenzeiten abfedern und verhindern, dass daraus unmittelbar eine Wasserkrise entstand. „Jetzt plündern wir dieses Sparkonto“, sagte Saulo. „Wir greifen auf unsere Reserven zurück.“
2025 war demnach das vierte Jahr in Folge, in dem die Gletschermassen in allen Regionen der Welt deutlich zurückgingen. Zwischen 2023 und 2025 verloren die Gletscher insgesamt rund 1400 Gigatonnen Wasser. Das entspricht etwa einem Drittel der jährlichen Süßwasserentnahmen. Auch die Flüsse führten 2025 ungewöhnlich wenig Wasser. Ihre Abflüsse, also die Wassermengen, die in einem bestimmten Zeitraum durch einen Fluss fließen, gehörten zu den drei niedrigsten Werten seit 35 Jahren. In manchen Regionen hingegen sorgten Überschwemmungen und Starkregen für Ausschläge in die andere Richtung.
Bewässerung von Agrarflächen wird wichtiger
Während der Grundwasserspiegel im Großteil Nordeuropas über dem langfristigen Niveau lag, war das Grundwasserdefizit in Mittel- und Osteuropa im Vergleich zum Zeitraum von 2014 bis 2024 so groß wie in kaum einer anderen Weltregion.
Das trifft die Landwirtschaft besonders stark, weil sie unmittelbar von Regen und Grundwasser abhängt. Bleibt der Regen aus, müssen Nutzpflanzen wie Getreide, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben sowie Obst und Gemüse in empfindlichen Wachstumsphasen häufig zusätzlich bewässert werden, damit die Erträge nicht einbrechen. Doch je stärker die Landwirte die Brunnen anzapfen, desto schneller sinken die Grundwasserstände.
Beregnung bleibt wichtig, wird den Wassermangel allein aber nicht lösen. Landwirte müssen gezielter und sparsamer bewässern, etwa mit Tröpfchensystemen und anhand der Bodenfeuchte sowie aktueller Wetterprognosen, empfiehlt das Thünen-Institut in Braunschweig. Speicher und Rückhaltebecken können zusätzlich Wasser für trockene Phasen sichern.
Auch Humus, eine dauerhafte Bodenbedeckung, vielfältige Fruchtfolgen und trockenheitsverträgliche Sorten helfen, Wasser länger im Boden zu halten und die Verdunstung zu bremsen. Verlässliche Messdaten und klare Regeln können zudem sicherstellen, dass in trockenen Jahren nicht mehr Wasser entnommen wird, als nachfließen kann. Wer Ackerflächen bewässern will, muss schon jetzt strenge Auflagen einhalten, etwa hinsichtlich der erlaubten Wassermengen.
Wie dringend eine bessere Vorsorge für die Landwirtschaft ist, wurde auch in der Rede von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Lage der Europäischen Union am Mittwoch deutlich. Angesichts der Folgen von Hitze und Trockenheit sprach sie von einem „Sommer der Wahrheit“. Nach ihren Angaben verlor die EU zwölf Millionen Tonnen Getreide.
Von der Leyen kündigte eine Wasser- und Versicherungsinitiative an. Die EU-Kommission will Wasserverluste verringern und Strategien für ein besseres Risikomanagement in der Landwirtschaft vorlegen. Zudem soll eine Allianz für Klimaversicherungen den Schutz vor Dürreschäden verbessern. EU-weit sei derzeit nur etwa ein Viertel der Dürreverluste privat versichert. Für viele Betriebe seien solche Policen allerdings teuer. Deshalb wird auch über eine stärkere Unterstützung des Bundes für Ernteversicherungen beraten.
