Deutschland ist ein Land der Sparer, das weiß man. Da erscheint es doch nur konsequent, dass fast alle Lebensmittelhändler auch ein digitales Bonusprogramm fürs Handy anbieten: Lidl hat „Lidl Plus“, Rewe hat „Rewe Bonus“, Edeka nennt seines schlicht „Edeka App“. Nur – fehlt da nicht einer?
Der Discounter Aldi bietet keine Rabatte an – und will das auch in Zukunft so halten, wie er kürzlich klarmachte. „Aldi setzt auf den besten Preis für alle“, heißt es in einer großangelegten Werbekampagne. Und das ohne Spar-App. Die Konkurrenz sieht das anders und wetterte in eigenen Kampagnen dagegen. Und selbst die Gerichte dürfen sich aktuell mit dem Thema beschäftigen: Verbraucherschützer klagten gegen Lidl, weil die Bonus-App Menschen ohne Smartphone benachteiligen würde.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Damit ist aber noch nicht beantwortet, wer eigentlich recht hat – Aldi oder die anderen Händler. Ginge es nur nach den Beliebtheitswerten, wäre die Antwort klar: Drei von vier Deutschen sollen heute schon Bonus-Apps nutzen, jeder zweite sogar jede Woche. Nur ist die Kernfrage eine andere: Können die Kunden durch die Apps wirklich sparen? Ein Vergleichsportal untersuchte das vor einigen Monaten. Und die Antwort ist bitter: Die Ersparnis liegt je nach Händler zwischen einem und zwei Prozent. Die durchschnittliche Ersparnis – viele Kunden kaufen in mehr als einem Laden ein – liegt sogar nur bei schmalen ein Prozent.
Ein Prozent! Dafür melden sich Kunden nicht nur bei den Apps an, sondern geben auch Kundendaten und ihr individuelles Kaufverhalten preis. Das bessere Geschäft macht hier am Ende also nicht der Kunde. Aldi hat aus dieser Rechnung offenbar die richtige Konsequenz gezogen. Wer wirklich sparen will, muss wohl etwas tun, was die Deutschen seit vielen Jahren gut können: Angebote vergleichen. Das geht auch ganz ohne Handy.
