
Das Sprichwort ist abgegriffen: „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ’ ich einen Arbeitskreis.“ Aber das zugrundeliegende Phänomen ist aktueller denn je. Nur spricht man heute nicht mehr von schnöden Arbeitskreisen, sondern wählt wohlklingendere Namen wie „Zukunftslabor“.
Ein solches wurde in Frankfurt ins Leben gerufen, um eine Frage zu klären, über die sich die Politik seit Jahren nicht einigen kann. Soll ein markantes Hochschulgebäude aus den Sechzigerjahren, das ehemalige Juridicum auf dem Uni-Campus Bockenheim, abgerissen oder umgebaut werden? Daran haben sechs Experten ein halbes Jahr lang gearbeitet. Die Erwartungen waren groß, geht es doch um das Kernstück des künftigen Kulturcampus.
Das Verfahren wurde schon vorab gepriesen als neues Modell für gemeinwohlorientierte Stadtplanung. Diesem Anspruch ist das Zukunftslabor nicht gerecht geworden. Nach der Lektüre des mehr als 100 Seiten starken Abschlussberichts bleibt Ernüchterung. In einem Labor sollte es darum gehen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, Hypothesen zu überprüfen und Lösungen zu entwickeln. All das ist nicht passiert. Es gibt keine neuen Aspekte, die zur Entscheidungsfindung beitragen könnten.
Zukunftslabor mit unbrauchbarem Ergebnis
Der Bericht enthält viele Wunschvorstellungen und Mutmaßungen, aber wenig konkrete Fakten. Allein die Aussage des Expertengremiums, man habe mangels Grundlage keine wirtschaftliche Bewertung der Varianten vornehmen können, ist eine Bankrotterklärung. Nicht nur deshalb ist das Ergebnis unbrauchbar.
Seit Ende 2024 ist die Debatte nur in Trippelschritten vorangekommen. Damals lagen wesentliche Fakten längst auf dem Tisch. Zwei Planungsbüros sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Erhalt der Hochhausscheibe aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht zu empfehlen sei. Die Expertenrunde hat diese Erkenntnisse nicht widerlegt. Jetzt soll weiter geprüft werden.
Das aber ist sinnlos, solange sich die Politik nicht auf grundsätzliche Ziele geeinigt hat. Dabei geht es nicht nur um die Zukunft des Juridicums, sondern auch um den auf dem Nachbargrundstück geplanten Neubau der Musikhochschule, zu dem es in der Koalition aus CDU, Grünen und SPD unterschiedliche Meinungen gibt.
Die Debatte um das Juridicum ist ein Beispiel dafür, was geschieht, wenn Politik nicht den Mut zu Entscheidungen hat, sondern kontroverse Fragen an Arbeitskreise und Beteiligungsrunden delegiert. Das ist keine ernsthafte Stadtplanung, sondern Zeitverschwendung, die die Stadt lähmt.
