
Der britische Sportwagenhersteller McLaren wird 500 Millionen Pfund (fast 600 Millionen Euro) investieren und ein viertüriges „Performance-SUV“ entwickeln. Mit dem SUV will McLaren ähnlichen Angeboten von Ferrari, Lamborghini, Aston Martin oder auch Bentley Konkurrenz machen. Vorstandschef Nick Collins sagte, SUVs hätten in allen wichtigen Ländern erhebliche Marktanteile, besonders im Luxussegment, erobert. Von diesem SUV-Markt will nun auch McLaren profitieren. Das neue hochmotorisierte SUV werde ein hybrid angetriebenes Fahrzeug sein, hieß es. Erstmals werde McLaren den Motor und das Getriebe komplett eigenständig entwickeln. Das SUV soll in den nächsten Jahren auf den Markt kommen, ein genaues Datum nannte das Unternehmen nicht.
McLaren verkaufte im vergangenen Jahr nur gut 2000 Wagen, ein deutlicher Rückgang nach dem Absatz von 3200 Wagen im Vorjahr. Die Listenpreise der McLaren-Fahrzeuge beginnen bei etwa 200.000 Pfund (rund 240.000 Euro). Mit dem SUV möchte McLaren die Stückzahl deutlich steigern. Der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Michael Straughan sagte, andere Hersteller von Luxussport-SUVs kämen auf Stückzahlen von 2000 bis 6000 jährlich. Um seine Produktionskapazitäten zu erhöhen, erwägt McLaren auch den Bau einer neuen Fabrik zusätzlich zur Fabrik in Woking südlich von London. Der traditionsreiche Sportwagenhersteller mit 2500 Mitarbeitern plant dazu, weitere 1000 Stellen zu schaffen. Die Mittel kommen vom neuen Investor aus Abu Dhabi, der beim seit Jahren verlustreichen Sportwagenhersteller 2025 eingestiegen ist. Abu Dhabis Staatsfonds hat insgesamt rund zwei Milliarden Pfund in Aussicht gestellt.
Aufatmen nach schlechten Nachrichten
Die Londoner Regierung reagierte begeistert auf die Ankündigung von McLaren, die einer Reihe von schlechten Nachrichten aus der britischen Automobilindustrie folgt. So hatte der größte Autohersteller der Insel, Jaguar Land Rover, vor Kurzem den Abbau von 4000 Stellen angekündigt. Der kleine Sportwagenkonkurrent Aston Martin kämpft mit schwachen Absatzzahlen. Umso mehr bejubelte die Politik nun die Absichtserklärung von McLaren. „McLaren setzt verstärkt auf Großbritannien: Das Unternehmen wird das Design, die Entwicklung und die Fertigung aller künftigen Fahrzeuge hier beibehalten und dafür tausend zusätzliche Mitarbeiter einstellen“, ließ sich Premierminister Andy Burnham zitieren.
McLaren hat in den vergangenen Jahren stets dreistellige Millionen-Verluste gemacht. Die Rennsport-Sparte McLaren Racing ist profitabel und verzeichnet steigende Gewinne, doch die Automobilsparte macht jedes Jahr hohe Verluste. Im Jahr 2024 sank der Fehlbetrag von mehr als 900 auf 177 Millionen Pfund. Für das Geschäftsjahr 2025 sind noch keine Berichte öffentlich.
Vor einem Jahr übernahm der Investmentfonds von Abu Dhabi einen Anteil von 30 Prozent an der britischen Sportwagengruppe. Der Preis wurde damals nicht öffentlich mitgeteilt. Laut Medienberichten zahlte Abu Dhabis CYVN Holding etwas mehr als 1,2 Milliarden Dollar. McLaren wurde demnach mit etwa vier bis fünf Milliarden Dollar bewertet. Haupteigentümer ist weiterhin der Staatsfonds von Bahrain, Mumtalakat. Abu Dhabi hat den Großteil der Schulden des Sportwagenherstellers abbezahlt.
Schon im Frühjahr 2025 fusionierte McLaren mit dem Elektrofahrzeug-Start-up Forseven. Das neue Sport-SUV soll aber nicht rein elektrisch betrieben sein, sondern auch einen Verbrennungsmotor besitzen. „Wir werden ein Elektrofahrzeug bauen, wenn uns die Kunden darum bitten, aber sie verlangen es aktuell nicht“, sagte Vorstandschef Collins. Es gebe keine Pläne, einen reinen E-Sportwagen zu entwickeln.
Mehrere Sport- und Luxuswagenhersteller haben ihre Pläne zur Elektrifizierung in jüngster Zeit teilweise zurückgestellt oder verschoben. Lamborghini entschied, den Lanzador nicht als reines Elektroauto zu bauen. Ferrari hat dieses Jahr seinen ersten reinen Elektro-Sportwagen Ferrari Luce auf den Markt gebracht, die Einführung seines zweiten vollelektrischen Modells aber verschoben.
