
Auch Donald Trump weiß, dass Kanada nicht zu Europa gehört. Die geographische Lage des Landes wäre allein schon Argument genug, um jede Debatte über eine „assoziierte Mitgliedschaft“ in der EU für Kanada im Keim zu ersticken. Zumal es diesen Sonderstatus, den Ursula von der Leyen ins Spiel brachte, noch gar nicht gibt. Über eine „assoziierte Mitgliedschaft“ lässt sich bisher nur so viel sagen: Man gehört irgendwie dazu, aber doch nicht so richtig.
Das hinderte zwar auch Friedrich Merz im Mai nicht daran, für die Ukraine eine solche Form der Einbindung in die EU vorzuschlagen – ohne damit bei den anderen EU-Staaten auf allzu viel Gegenliebe zu stoßen. Aber selbst wenn die EU-Staaten im Fall von Kanada den Atlas beiseiteließen und den Begriff mit Inhalten füllen würden: Wie wollten sie Kiew erklären, dass jetzt erstmal die Kanadier dran sind und die Tür für die Ukraine vorerst weiter geschlossen bleibt?
Bei aller berechtigten Kritik besteht jedoch die Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten. In der Sache hat Ursula von der Leyen völlig recht: Eine engere Kooperation der EU mit Kanada ist dringend geboten, unabhängig davon, ob Kanada nun nur informeller „bester Freund“ oder „assoziiertes Mitglied“ der EU ist.
Und womöglich hat von der Leyens Vorpreschen ja so gar doch noch sein Gutes: Das Reizwort könnte in Zollverhandlungen mit Trump als Druckmittel dienen. Seine Reaktion auf die Rede der EU-Kommissionpräsidentin legt nahe, dass er die Sache doch nicht ganz so „lächerlich“ findet, wie er behauptet. Es wäre einen Versuch wert. Jedenfalls erscheint es allemal vielversprechender, als sich weiter darin zu ergehen, ein Wort zu zerpflücken.
