Was wohl noch immer vielen als Erstes in den Kopf kommt, wenn vom Bistum Limburg die Rede ist, das ist die goldene Badewanne von Bischof Tebartz-van Elst. Dabei gab es sie gar nicht. Und auch keine goldenen Wasserhähne, über die damals in den Boulevardblättern ebenfalls so eifrig spekuliert wurde. Doch abwegig erschien weder das eine noch das andere.
„Protz-Bischof“ wurde Franz-Peter Tebartz-van Elst genannt, der das Bistum Limburg von 2008 bis 2014 führte und in dessen wohl schwerste Krise stürzte. 31 Millionen Euro hatte die Residenz gekostet, die der dem Luxus zugeneigte Bischof sich am Limburger Domplatz hatte bauen lassen, mit Türklinken in Pfauenform, Koi-Karpfenteich und Designerbadewanne (die allerdings weiß und nicht goldfarben war). Abgehoben, selbstherrlich und eitel trat Tebartz-van Elst auf, die maßlose Verschwendung von Kirchengeld wurde ihm nicht verziehen. Im März 2014 nahm er seinen Hut und wurde in den Vatikan versetzt.
Für das Bistum Limburg wurde als neuer Bischof ein Gegenentwurf zum verschwendungssüchtigen, intransparenten Tebartz-van Elst gesucht. Vor zehn Jahren, am 18. September 2016, kam er ins Amt: Georg Bätzing, bisher Generalvikar in Trier. Bescheiden, nahbar, auch humorvoll zeigte sich der im Westerwald aufgewachsene Theologe der Welt und den Gläubigen. „Da bin ich, jetzt habt ihr mich“, sagte er am Tag der Bischofsweihe.
„Man kann Vertrauen nicht zurückgewinnen“
Demut zu zeigen, das war seine Aufgabe. Zu signalisieren, dass die Kirche verstanden hat, dass das Verhalten von Tebartz-van Elst keine Lappalie war. „Das Vertrauen in den Bischof war zerstört“, erinnert sich der Fünfundsechzigjährige heute an die „Krisensituation“. Andere hätten damals schon vor ihm die Grundlagen für einen „Neubeginn“ und „Transparenz“ in Limburg geschaffen, sagt Bätzing. Er aber musste zeigen, dass dieser Neuanfang wirklich ernst gemeint war. „Man kann Vertrauen nicht zurückgewinnen, man kann es nur neu aufbauen“, blickt der Bischof auf diese Zeit zurück.
In das protzige Bischofshaus ist Bätzing deshalb nicht gezogen, sondern in ein bescheidenes Einfamilienhaus. „Ins Gespräch gehen, nicht als jemand auftreten, der es besser weiß“, das beschreibt er als seine Aufgabe. Dabei ist er sicherlich kein Antiautoritärer. „Macht auszuüben, ist ja nichts Schlechtes“, meint Bätzing. Man müsse nur darauf achten, dass das nicht ohne Kontrolle, nicht ohne Transparenz passiere.
Bätzing gilt in der katholischen Kirche als Reformer. Sechs Jahre hat er die Deutsche Bischofskonferenz geführt, von 2020 bis 2026. Und er war eines der Gesichter des „Synodalen Wegs“. Nach der 2018 erfolgten Veröffentlichung der Studie zum massiven sexuellen Missbrauch in der Kirche wollte man mit Reformen daraus Konsequenzen ziehen. Was muss sich ändern, damit ein solcher Missbrauch sich nicht wiederholen kann? Wo muss die Kirche sich öffnen? Wie stärkt man die Rechte von Frauen und Homosexuellen? Darüber sprachen Priester und Laien, Frauen und Männer.
Er nennt sich einen „Fan des Zölibats“
Plädiert wurde etwa dafür, das Zölibat, die Ehelosigkeit der Priester, abzuschaffen. Georg Bätzing ist dafür, obwohl er selbst „gerne“ so lebe und sich als „Fan des Zölibats“ beschreibt. „Ich glaube, das ist eine Weise, Jesus nachzufolgen“, sagt er. „Gleichzeitig sage ich mir, es würde eine Bereicherung der Kirche und ihres Priesteramts bedeuten, wenn auch verheiratete Männer Priester sein könnten – und Frauen im Übrigen auch.“
Doch ein schneller Wandel ist nicht abzusehen. Aus dem Vatikan kam und kommt Gegenwind, als Reformkirche macht die katholische Religionsgemeinschaft bislang keine Schlagzeilen. Die Zuversicht des Limburger Bischofs geht deshalb nicht zurück, im Gegenteil. „Hoffnung schafft kleine Erfolge“, sagt er. Und: „Wir brauchen viele kleine Erzählungen.“

Auch das Bistum hat mit massenhaften Kirchenaustritten zu kämpfen. Rund 100.000 Mitglieder haben dort die Kirche verlassen, seit Bätzing in Limburg Bischof geworden ist. Deshalb muss nun stark gespart werden: Jeweils gut 100 Millionen Euro weniger pro Jahr stehen dem Bistum in den nächsten zehn Jahren zur Verfügung. Das bedeutet, dass Prioritäten gesetzt werden müssen: Was sind die Kernaufgaben der Kirche? Welche sind dagegen vernachlässigbar? Welche Kirchen und Gemeindehäuser werden noch gebraucht? Welche können aufgegeben werden, ohne dass das große Ganze ins Schwanken gerät?
„Wir sind keine Kirche im Rückzug“
Es gehe darum, auch mit weniger Mitteln weiterhin gestalten zu können und Gutes in Gang zu setzen, sagt der Bischof. Und es werde noch wichtiger, nach Kooperationspartnern zu suchen, mit denen man zusammenarbeite. Etwa in der Frage, wie die Kirche ihr Netz aus Kindertagesstätten auch unter finanziellem Druck aufrechterhalten kann. Dass das nicht einfach wird, ist Bätzing bewusst, schließlich klagen die Kommunen genauso über fehlendes Geld. „Wir werden weniger, wir werden ärmer“, stellt er nüchtern fest. Und sagt trotzdem: „Wir sind keine Kirche im Rückzug.“
Bätzings Popularität dürfte auch damit zu tun haben, dass er Probleme erkennt und nicht kleinredet, dass er glaubhaft vermittelt, Veränderungen erreichen zu wollen. Beim Missbrauchsskandal der Kirche gehörte er ganz besonders zu denen, die nicht versuchten, etwas unter den Teppich zu kehren. „Verbrechen“ und „Vertuschung“ nennt er als damals strukturelle Probleme, die unzähligen Missbrauchsfälle hätten viele „zutiefst erschüttert“.
Von externen Juristen und Historikern seien 60 Vorschläge erarbeitet und vorgeschlagen worden, um die Probleme grundlegend anzugehen. „Wir haben alle in Angriff genommen und umgesetzt“, sagt Bätzing, wenn auch nicht in jedem Fall „eins zu eins“. Als abgeschlossen sieht er die Aufarbeitung nicht. Die Kirche müsse weiter daran arbeiten, eine „Kultur der Aufmerksamkeit“ zu schaffen, sagt Bätzing.
Was den katholischen Bischof heute besonders umtreibt, ist der Aufstieg der Alternative für Deutschland (AfD). Schon früh warnte er ohne Verklausulierungen vor der in großen Teilen rechtsextremen Partei. Im Februar 2024 verabschiedete die Deutsche Bischofskonferenz unter seiner Führung eine Erklärung mit dem Titel „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“. Der „Hass auf Mitmenschen“ wurde darin verurteilt – und Christen wurden aufgefordert, sich dem Rechtsextremismus aktiv entgegenzustellen.
Die AfD steht so stark da wie nie zuvor
Nun, zweieinhalb Jahre später, steht die AfD besser da als je zuvor. In Sachsen-Anhalt hofft sie darauf, bald den Ministerpräsidenten stellen zu können. Ihre „Heilsversprechen und Lügen“ würden bei den Menschen immer mehr verfangen, warnt Bätzing. „Die Verlierer dieser Wahl sind die Wähler der AfD, denn es wird nicht zu dem kommen, was diese Lügner versprechen“, sagt der Bischof mit Blick auf den Erfolg der Partei.
Bätzing wünscht sich mehr Ehrlichkeit von der Politik. Die Probleme des Landes, bei der Rentenversicherung etwa, müssten offensiver angesprochen werden. „Wir müssen den Menschen Wahrheiten zumuten“, meint er. „Und wir müssen die Politiker stärken, die diese Probleme wirklich angehen.“ Er suche das Gespräch mit AfD-Anhängern, um sie zu überzeugen, anders zu wählen, sagt Bätzing. Mit den „Ideologen“ der Partei dagegen würde er nicht sprechen, „denn ich weiß nicht, worüber“.
Im Wahlkampf hatte die AfD in Sachsen-Anhalt gedroht, die Staatsleistungen an die Kirchen oder den Einzug der Kirchensteuern nach einem Wahlsieg einzustellen. „Sollte es zu solchen Übergriffen kommen, dann kann man dagegen klagen, denn das ist nicht rechtens“, sagt Bätzing. Klar sei aber auch, dass man in einem solchen Fall die betroffenen Landeskirchen unterstützen müsse. „Dann müssen wir einspringen“, sagt Bätzing. „Wir lassen die Menschen dort nicht allein.“
Ein Fest zu seinem Jubiläum als Bischof des Bistums Limburg wird es nicht geben. Kein Pomp zum Jahrestag, das passt zu seinem bescheidenen, empathischen Auftreten, das passt auch zu der Kehrtwende des Bistums nach dem Skandal um den „Protz-Bischof“ Tebartz-van Elst.
Mit 75 Lebensjahren treten Bischöfe in der Regel zurück. Bätzing hat also noch zehn Jahre, um seine Kirche zu prägen, um Reformen anzustoßen und für eine offene, von Humanität geprägte Gesellschaft zu werben. „Es macht mir Spaß, Bischof zu sein“, sagt er. Es klingt kein bisschen wie eine Floskel.
