
Die Nachricht, dass sich zwei Personen außerhalb des Frankfurter Flughafens im nahe gelegenen Stadtteil Schwanheim mit der sogenannten Airport-Malaria infiziert haben, treibt die Bürger um. Eine vom Frankfurter Gesundheitsamt freigeschaltete Hotline werde „rege genutzt, pro Stunde gehen derzeit fünf bis zehn Anrufe ein“, teilt die Behörde mit. Es gebe viele Fragen zu Prävention und Mückenschutz. Unterdessen hat das Gesundheitsamt sein Mückenmonitoring am Flughafen auch auf Schwanheim erweitert.
Im Juni und August waren bereits sechs Mitarbeiter des Flughafens an Malaria erkrankt, zwei von ihnen starben. Sie waren zuvor weder in die Tropen gereist, noch hatten sie eine Bluttransfusion bekommen, daher ging das Gesundheitsamt Frankfurt davon aus, dass durch den Flugverkehr eingeschleppte Anopheles-Mücken für die Infektionen verantwortlich waren. Eine Übertragung der Krankheit von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.
Blutproben der Malariakranken werden im Ausland untersucht
Auch bei den neuen Erkrankungen handelt es sich nach Angaben des Gesundheitsamts um die gefährlichste Variante der Krankheit, der Malaria tropica. Ob es einen Zusammenhang mit den schon bekannten Fällen gebe, müssten nun Blutproben der Erkrankten zeigen. In einem darauf spezialisierten Tropenlabor in Antwerpen soll untersucht werden, ob die im Blut nachgewiesenen Erreger, sogenannte Plasmodien, alle den gleichen genetischen Fingerabdruck haben. Die jetzt Erkrankten arbeiten nicht am Flughafen und sind keine Rückkehrer von einer Fernreise. Über ihren Zustand ist nur bekannt, dass sie in „ausreichender medizinischer Behandlung“ seien, so der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, Peter Tinnemann.
Doch ist es vorstellbar, dass zum wiederholten Mal in wenigen Monaten eine Anopheles-Mücke mit dem Malariaerreger am Frankfurter Flughafen eingeschleppt wurde? Für den Parasitologen und Biologen Sven Klimpel, Professor an der Frankfurter Goethe-Universität, „klingt das schon verrückt“. Um nicht spekulieren zu müssen, rät er dringend dazu, „zügig und engmaschig Fallen“ aufzustellen und die Wissenschaftler und deren bestehendes Monitoringsystem einzubinden. Ausschließen kann Klimpel, dass sich mit dem Erreger infizierte Anopheles-Mücken im Flughafen vermehrt haben und kürzlich das Gelände verlassen haben.
Anopheles-Mückenarten gibt es auch in Deutschland
Theoretisch denkbar ist der Fall, dass eine eingeschleppte Mücke vom Wind bis nach Schwanheim getragen wurde. Doch ob ein solches Insekt aus den Tropen im Freien im Rhein-Main-Gebiet länger überlebt, ist nach Angaben des Forschers nicht bekannt. Klimpel verweist darauf, dass es auch insgesamt acht heimische Anopheles-Mückenarten gibt, die potentielle Wirte des Malariaerregers werden könnten. In diesem Fall hätte eine solche Mücke eine der im Juni und August an der Malaria tropica erkrankten Personen vorher stechen müssen. Wahrscheinlicher sei eher die Einreise einer weiteren infizierten Mücke: „Das Auftreten von Flughafenmalaria an einem der großen Drehkreuze in Europa ist nicht überraschend“, sagt er. „Es gibt keinen Frankfurter Sonderfall.“ Wichtig sei zu ermitteln, welche Mückenarten rund um den Flughafen entdeckt werden.
Das Frankfurter Gesundheitsamt rät nicht nur den Mitarbeitern des Flughafens, sondern auch den Anwohnern aus den Stadtteilen rund um den Flughafen, im Krankheitsfall ihre Ärzte auf ihren Arbeitsplatz oder Wohnort hinzuweisen. Eine Malariainfektion ist häufig von Fieberschüben und Schüttelfrost begleitet, auch Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.
